Metadata: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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daß der Reingewinn sofort fällt, wenn er die Produktion weiter fortsetzt. 
Es ist dabei angenommen, daß die Stückselbstkosten bei steigender Produktion 
fallen, die Gesamtselbstkosten aber ansteigen; sie könnten aber auch konstant 
bleiben. Für einen Fischer z. B. sind die Selbstkosten eines großen Fanges 
ebenso hoch, wie die eines kleinen Fanges. Je mehr Stücke einer Ware auf 
den Markt kommen, desto tiefer fällt der Stückpreis, der Gesamterlös kann 
dabei steigen, wie dies in unserem Beispiel der Fall ist. 
Wenn Unternehmer im vorhinein wissen, daß bei wachsender Produktion 
der Reingewinn sinken wird, schränken sie absichtlich die Produktion ein. 
Dies tun sehr viele Kartelle, ja es gibt solche, die in erster Reihe zu dem' 
Zweck geschlossen werden, um eine einverständliche Produktionseinschränkung 
zu ermöglichen. So haben zum Beispiel die österreichischen Baumwollspinner 
im Herbst 1912 eine 33 prozentige Betriebsreduktion vorgenommen. Ein Teil 
der Maschinen mußte ruhen, die Arbeiter, welche sie sonst bedienten, mußten 
feiern. 
Man hat gelegentlich die Vermutung ausgesprochen, der sinkende Rein 
gewinn deute nichts anderes als die Tatsache an, daß Arbeitskräfte an anderen 
Stellen nötiger wären als gerade dort, wo der Reingewinn sinkt. Wenn der 
Reingewinn in der Textilindustrie sinke, so komme das etwa daher, daß man 
in der Landwirtschaft Arbeiter brauche, dort verzinse sich das Geld besser. 
Man vermag auf verschiedene Weise zu zeigen, daß diese Betrachtung nicht 
allgemein gültig ist; am raschesten gelingt es, wenn man zeigt, daß in einend 
Fall, in welchem die Produktion der größeren und kleineren Gütermenge 
gleich viel kostet, durch die Vernichtung einer Gütermenge die Rentabilität 
erhöht wird. Archenholz, dessen Geschichte des Siebenjährigen Krieges recht 
bekannt ist, hat eine Zeitlang regelmäßige Berichte über englische Verhältnisse 
veröffentlicht, ln einem derselben lesen wir nun folgendes: „Die Fleischer in 
London fuhren mit ihrem abscheulichen Gebrauch fort, große Säcke mit frischem 
Fleisch des Nachts in die Themse zu werfen um es nicht wegen des Überflusses 
notgedrungen unterm Preis zu verkaufen, oder es umsonst wegzugeben. Alle 
•Mittel, diesem Unfug zu steuern, waren vergebens. Die Fischhändler in London 
hatten einen ähnlichen Gebrauch. Sie gaben den auf der Themse ankommenden 
Fischerfahrzeugen, noch ehe sie London eireichten, durch Signale von dem Zustand 
des dasigen Fischmarktes Nachricht. Befand sich dieser wohl versehen, so 
wurden, um keinen Überfluß zu erzeugen, ohnweit Gravesend die ganzen Ladungen 
von Fischen ins Wasser geworfen. Dieses zu hindern, wurden auf Befehl des Lord 
Majors, der die Jurisdiktion über die Themse hat, Gerichtsbeamte nach Gra 
vesend beordert, solche Frevler auf der Tat zu ertappen, um sie nach den Gesetzen 
zu bestrafen.“ Kleiden wir diese Schilderung in die Form eines Schemas (Tab. II): 
Tabelle II 
Steigerung der Rentabilität durch Gütervernichtung 
Reingewinn 
Anzahl der, 
produzierten 
Stücke 
Selbstkosten 
Erlös 
pcrSlück 
im Ganzen 
perStück 
im Ganzen 
per Stück 
im Ganzen 
in ’/o 
100 
150 
200 
12.— 
8 — 
6 — 
1200.- 
1200. 
1200.— 
1260 
8.72 
6 30 
1260 — 
1308 — 
1260— 
— 60 
—.72 
-.30 
60.— 
108 — 
60.- 
5 
9 
5 
Da es sich im Beispiel der Fischer um eine Produktion handelt, bei der die 
Herstellung der größeren Menge ebensoviel kostet, als die Herstellung der 
kleineren, sind die Gesamtselbstkosten in Tabelle II als konstant mit 1200 ange 
setzt. Die Verkaufspreise sinken, wenn eine größere Menge auf den Markt 
kommt, und zwar haben wir unser Beispiel so gewählt, daß der Gesamterlös 
zunächst steigt, dann aber fällt. Wenn die Fischer 200 Mengen auf den Markt 
bringen, verdienen sie weniger, als wenn sie 50 Mengen vernichten und nur 150 
verkaufen. Dies Beispiel zeigt jedenfalls, daß es eine „Überproduktion“ geben
	        
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