Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

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Dr.  M.  J.  Bonn.

schädigen.  Es  sollte  gegenüber  fremden  Industrieprodukten  ein  Zollschutz ­
  von  etwa  10  o/o  eingeführt  werden.  Dieser  Zoll  werde  der
britischen  Industrie  den  britischen  Markt  sichern;  er  werde  ihr  außerdem ­
  jetzt  verschlossene  fremde  Märkte  von  neuem  öffnen.  Wenn
man  einen  Zolltarif  habe,  könne  man  in  Verhandlungen  mit  fremden ­
  Staaten  eintreten  und  Zugeständnisse  erzielen;  man  könne  überdies ­
  die  fremde  Schleuderkonkurrenz  bestrafen.  Ein  Freihandelsland ­
  sei  allen  feindlichen  Tarifen  gegenüber  wehrlos.  Man  brauche
als  Verteidigungsmittel  einen  «Revolver»  —  den  Zolltarif.  Er  sei
vor  allem  zum  Schutze  gegen  Vergeltungsmaßnahmen  nötig,  die  das
Ausland  (man  dachte  an  den  deutsch-kanadischen  Zollkonflikt)
wegen  kolonialer  Begünstigungszölle  gegen  Kolonien  sowohl  wie
gegen  Mutterland  anzuwenden  geneigt  sei.  Ein  solcher  Tarif  werde
die  Arbeitslosigkeit  in  England  vermindern.  Das  Leben  werde  vielleicht ­
  etwas  teurer  werden,  dagegen  würden  die  Arbeiter  dauernd
Beschäftigung,  die  Unternehmer  regelmäßigen  erhöhten  Gewinn
finden.
Es  war  so  der  Plan  zu  einer  engeren  wirtschaftlichen  Verbindung
des  britischen  Reiches  auf  dem  Wege  der  Vorzugszölle  mit  einer
industriellen  Schutzzollpolitik  verbunden  worden.  Ein  innerer  logischer ­
  Zusammenhang  war  dabei  nur  in  beschränktem  Maße  vorhanden. ­
  Die  Kolonien  erzeugen  wenig  Fabrikate;  Vorzugsbehandlung ­
  derselben  ist  ohne  Interesse  für  sie.  Auf  der  anderen  Seite
verfolgen  einzelne  Kolonien,  z.  B.  Kanada,  eine  Schleuderpolitik  durch
Gewährung  von  Ausfuhrprämien,  deren  Bekämpfung  eben  eines
der  Hauptziele  des  Schutzzolltarifs  sein  soll.  In  den  Jahren  1901  bis
1910  hat  Kanada  über  7  Millionen  $  Ausfuhrprämien  auf  Eisen  und
Stahlwaren  bezahlt.  Überdies  soll  der  mutterländische  Zolltarif
nicht  dazu  dienen,  die  industriellen  Schutzzölle  der  Kolonien
niederzubrechen,  während  eine  Verteuerung  von  Lebensmitteln
die  Konkurrenzfähigkeit  des  Mutterlandes  nicht  nur  auf  dem
Weltmarkt,  sondern  auch  in  den  Kolonien  beeinflussen  würde.
Ein  industrieller  Schutzzolltarif  ist  bei  einer  Politik  der  Vorzugszölle ­
  nur  insofern  nötig,  als  er  bei  der  Abwehr  von  Vergeltungsmaßregeln ­
  zur  Anwendung  kommen  kann.
Gegenüber  diesen  Plänen,  die  in  machtvoller  Agitation  von  der
            
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