Nachtrag zum ersten Buch.
gewesen, wenn sie einfach durch gesetzliche Regulierung die Preise
beherrschen wollte. Die schlechten Erfahrungen über die Wirkungen
von Maximalpreisen haben sich doch seit der ersten Dämmerung der
Geschichte derart massenhaft gesammelt, daß eine Wiederholung dieser
Art Preispolitik nicht hätte in Frage kommen dürfen.
Die Maximalpreispolitik sündigt häufig gegen das Kostenprinzip
und wohl beinahe immer gegen das Prinzip, daß die Preise hinreichend
hoch gesetzt werden müssen, um eine genügende Beschränkung der
Nachfrage herbeizuführen. Dadurch veranlassen die Höchstpreise
erstens eine unwirtschaftliche Einrichtung der gesellschaftlichen
Produktivkräfte, die von einer besonders wünschenswerten Produktion
abgehalten werden; zweitens eine Erschlaffung des Interesses der
Produzenten und damit eine Herabsetzung der gesellschaftlichen Pro-
duktivität; drittens eine unwirtschaftliche Konsumtion für Zwecke,
welche bei einer richtigen Preisbildung nicht befriedigt werden sollten,
bzw. eine die gegenwärtigen Bedürfnisse nicht genügend beschränkende
Konsumtion und damit eine schlechtere Versorgung der Zukunft;
viertens eine unwirtschaftliche Verwendung von Materialien und Ver-
brauchsgegenständen innerhalb des produktiven Betriebes, weil sie nach
außen nur zu Höchstpreisen verkauft werden dürfen; und fünftens
eine künstliche Verstärkung der Kaufkraft für nicht-maximierte, viel-
leicht weniger nützliche Waren, deren Preise dadurch unnatürlich stark
in die Höhe getrieben werden.
Alle diese von der Theorie vorausgesehenen Ergebnisse sind in
Wirklichkeit eingetreten, und zwar in solcher Mannigfaltigkeit, daß
sie eine reiche Sammlung von guten Beispielen zur Theorie der Preis-
bildung bilden. Die vielen, öfters sehr verhängnisvollen Fehler der
staatlichen Preisregulierung hätten sicher zum größten Teil vermieden
werden können, wenn eine tiefere Einsicht in die sozialökonomische
Aufgabe der Preisbildung als Regulator der gesamten Tauschwirtschaft
allgemein vorhanden gewesen wäre.
Die Erfahrungen mit Bezug auf staatliche Preisregulierung, welche
während des Krieges gesammelt worden sind, können also nur den
Wert einer festen und klaren Theorie der Preisbildung unterstreichen.
Wesentliche Änderungen in der in diesem Werke gegebenen Darstellung
veranlassen sie nicht.
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