fullscreen: Das Jungdeutsche Manifest

FXI. 
einheitlichen Willen, zur Solidarität. Sie wurde in ihrer Gesamtheit 
zum Gegner der herrschenden Kaste, zum Gegner jeden Standes- 
menschentums. Alle anderen Stände waren sich in einer Frage einig, 
nämlich in der Ablehnung der Arbeiterschaft. Darum war sich auch die 
Arbeiterschaft einig in ihrer Ablehnung der andern. In dieser Tat⸗ 
sache lag der Grund zu der Volksspaltung unserer Zeit. Aus ihr ist 
die Revolution geboren. 
Standesmenschentum und Klassenhaß nähren fich 
gegenseitig. Der eine wird nur schwinden, wenn der 
andere schwindet. Wenn der eine schwindet, kann der 
andere nicht leben. 
Für uns Jungdeutsche, die wir überwiegend, aus der bürgerlichen 
Front kommend, hinaus ins Volk marschiert sind, erwächst daher in 
erster Linie die Sendung, unsern Kampf gegen das Kasten⸗ und 
Standesmenschentum zu führen und an seine Stelle die Ordnung eines 
wahren Staatsbürgertums zu setzen. Erst wenn wir mit unwandel- 
barer UÜberzeugung und mit festem Willen an dieses Werk gehen, 
töznnen wir vom anderen Teil des Frontgeschlechtes unseres Volkes 
fordern, uns auf diesem Wege entgegenzukommen und seine Sendung 
in der Beseitigung des Klassenhasses zu sehen. 
Die Vorbedingung zu diesem Kampfe aber ist die Einsicht, daß 
eine Lebensordnung und eine gesellschaftliche Gliederung, welche das 
Volk zum Schaden der nationalen Einheit zerreißt, keine nationale 
Ordnung ist. 
Das nattonale Bekenntnis steht auf Seite derer, 
welche Vorrechte und Sonderwünsche von Kaste, Stand 
und Klasse den Erfordernissen der Nation unter— 
ordnen. Wer die Nation nur unter selbstsüchtigen 
Vorbedingungen bejaht, der handelt wider sie. 
So wie die alte bürgerliche Ordnung die Menschen im Geiste 
klassifizierte, drückte sie dies auch in den Umgangsformen aus. Die 
Anwendung der Umgangsformen unterstrich die standesmäßige Unter— 
schiedlichkeit der Menschen bei jeder Berührung im täglichen Leben. 
Während bei anderen Völkern sich die gleiche Anrede für alle Staats- 
bürger durchsetzte, stufte sie sich in Deutschland nach der sozialen 
Stellung des Einzelnen. Titel und Würden erhielten eine übermäßige 
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