Sachverständiger Arlt: Das liegt an den geschilderten geologisch
verschiedenen Verhältnissen. Die anderen deutschen Erzvorkommen
sind Lager von Eisenerzen, die sich im allgemeinen in gleicher Mächtig-
keit und Qualität erstrecken, so daß man also genau kalkulieren kann.
Infolgedessen braucht eine beständige technische Umstellung nicht ein-
zutreten. Dazu kommt, daß diese Vorkommen noch lange nicht die
Tiefe der Siegerländer Gruben erreicht haben. so daß die Erze sich
billiger fördern lassen.
Köngeter: Das Siegerländer Erz kann nicht irgendwie etwa
mit dem Erz von Ilsede oder mit dem französischen Erz verglichen
werden, mit der französischen Minette usw, Das sind alles minder-
wertige Erze; das Siegerländer Erz hat seinen Wert infolge seines
hohen Eisen- und Mangangehalts. Es kann nur verglichen werden mit
den anderen Manganträgern, die wir aus dem Auslande beziehen müssen.
Sachverständiger Willing: Ich setze als bekannt die Tatsache
voraus, daß das Siegerland vor dem Kriege etwa 2,5 Millionen Tonnen
sines Erzes von annähernd 40 °/, Metall der deutschen Hochofenindustrie
zur Verfügung gestellt hat. Durch die Verschiebungen, die während des
Krieges und in der Nachkriegszeit eingetreten sind, haben die Selbst-
kosten eine Höhe erreicht, die das Siegerland auf dem Weltmarkt nicht
mehr konkurrenzfähig erscheinen lassen. Im Anfang des Jahres 1926
waren daher von den gesamten Siegerländer Werken nur noch 13 in
Betrieb mit einer Monatsförderung von rund 60 000 Tonnen, also einer
Jahresförderung, die nur etwa ein Drittel der normalen Siegerländer
Förderung betrug.
Vorsitzender: Herr Sachverständiger, würden Sie gleich die
Gründe für das Anwachsen der Selbstkosten angehen?
Sachverständiger Willing: Das Siegerland ist von jeher ein Not-
standsgebiet gewesen. Die unglückliche Lage zu der gesamten Industrie
hat dazu geführt, daß Preußen in der Vorkriegszeit dem Siegerland eine
besondere Behandlung angedeihen ließ. Man hat die Abfuhrfrachten
zurückgesetzt, eine Verbilligung der Kohlenbezüge eingeräumt und das
Siegerland schon damals in einer gewissen Weise wettbewerbsfähig er-
halten. ‚Der Hauptgrund für die Höhe der Selbstkosten im Siegerland
liegt darin, daß es sich um Gangbergbau handelt, auf Gängen, die aus
der Devonzeit stammen, und die alle Veränderungen der Erdkruste seit
der Devonzeit mitgemacht haben. Infolgedessen sind die Gänge nach-
träglich durch Bestandteile verunreinigt worden, die für den Hütten-
mann unerwünscht sind. Als solche nenne ich hier nur Kupfer und
Quarz. Ferner haben alle tektonischen Veränderungen die Gänge aus-
einandergerissen, sowohl im Strich, in der Längserstreckung, als auch
im Einfallen, in der Tiefenerstreckung. Wir haben es also zu tun mit
einer Reihe von Mitteln — Mittel nennen wir die einzelnen zerrissenen
Gangstücke — die nur durch große Aus- und Vorrichtungsarbeiten zum
Abbau reif gemacht werden können, einer großen Fülle unproduktiver
Arbeiten, um das Gut in der Erde wiederzufinden und nutzbar zu
machen. In der Kriegszeit wurde der Abbau verstärkt betrieben ohne
Mal
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