Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 8. Kapital und Einkommen in der Geldwirtschaft. J 
komplizieren, wollen wir von der Existenz solcher Rechte absehen, 
Wir können dann den Satz aufrechterhalten, daß das Gesamtkapital 
der geschlossenen Wirtschaft ausschließlich durch das Realkapital 
und den Grund und Boden dargestellt wird. 
Der Besitz von Gütern und Rechten verschafft in der Geldwirt- 
schaft dem Besitzer regelmäßig einen gewissen Ertrag. Dies ist gerade 
der einheitliche Gesichtspunkt, aus welchem das Kapital in der Geld- 
wirtschaft betrachtet wird. Von diesem Gesichtspunkt pflegt man dieses 
Kapital auch zuweilen als „„Erwerbskapital‘“ zu bezeichnen. Dem Wort 
„Vermögen‘‘ wird im geldwirtschaftlich bestimmten Sprachgebrauch 
meistens ein etwas weiterer Sinn gegeben, es bezeichnet wie das ‚„Ka- 
pital‘“ auch eine Geldsumme, aber wenigstens teilweise mit Einschluß 
des in Geld ausgedrückten Wertes derjenigen materiellen Güter, die 
wie Möbel und Kunstgegenstände schon an die Konsumenten über- 
gegangen sind und die dann auch nach unserer Begriffsbestimmung dem 
Realvermögen, nicht aber dem Realkapital zugerechnet werden. Von 
diesem Gesichtspunkt könnte also das Kapital als Erwerbsvermögen 
bezeichnet werden. 
Das Kapital in dem hier angegebenen geldwirtschaftlichen Sinne, 
d. h. im Sinne einer Geldsumme, die bis auf weiteres in irgendeinem 
materiellen Gute oder Rechte verkörpert ist, wollen wir im folgenden, 
uns dem allgemeinen Sprachgebrauch anschließend, einfach als „Kapi- 
tal‘ bezeichnen. Man könnte das Kapital in diesem Sinne im Gegensatz 
zum Realkapital als „,Formalkapital‘‘ oder auch als „abstraktes Kapital“ ı 
bezeichnen. Eine solche Terminologie wäre aber, wenn man sie konse- 
quent durchführen wollte, ziemlich beschwerlich und hat außerdem 
den Nachteil, vom allgemeinen Sprachgebrauch unnötigerweise abzu- 
weichen. Daß unser allgemeiner, der Geldwirtschaft angepaßter Sprach- 
gebrauch wirklich das Wort Kapital in dem hier angegebenen Sinne 
einer abstrakten, in Geld ausgedrückten Wertsumme, einerlei durch 
welche Gegenstände zufällig vertreten, auffaßt, ist unzweifelhaft. In 
diesem Sinne wird das Wort z. B. gebraucht, wenn man sagt, „diese 
Eisenbahn erfordert ein Kapital von zehn Millionen Mark‘, „er hat sein 
ganzes Kapital in ausländischen Staatspapieren angelegt‘, „in diesem 
unglücklichen Unternehmen ist ein Kapital von hunderttausend Mark 
vergeudet‘‘, Denselben Sinn hat das Wort Kapital in der Buchführung, 
z. B. in der Bilanz einer Aktiengesellschaft, wo das Kapital der Gesell- 
schaft unter den Passiven aufgeführt, also von den Aktiven gedeckt 
wird, aber als eine von den konkreten und vielleicht wechselnden Posten 
der Aktiven unabhängige Größe aufgefaßt wird. Der allgemeine Sprach- 
gebrauch ist in dieser Beziehung ziemlich bestimmt, und wir können 
deshalb das einfache Wort Kapital in dem hier angegebenen Sinne ver- 
wenden, ohne daß dadurch eine Gefahr des Mißverstehens entsteht. Die 
Bedingung hierfür ist natürlich, daß der wissenschaftlich bestimmte und 
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