198
Noch eins habe ich hinzuzufügen. Ich werde Sie nicht
heiraten ohne die Einwilligung und ohne die Liebe
Ihres Vaters. Unheil dem Manne, der es wagen könnte,
ein solches Band, wie es zwischen Ihnen und Ihrem Vater
existiert, zu zerreißen. Ich sage nicht, daß ich nicht auch
die Einwilligung Ihrer Mutter, die ich nicht die Ehre
habe zu kennen, brauche.
Ich gebe Ihnen das Recht, diesen Brief, wenn Sie
es wollen, Ihrem Vater zu übersetzen.
Und jetzt, wenn Sie nach allem, was-ich Ihnen ge
sagt habe, sich entschließen, meine Frau zu werden,
was würden Sie für alle Ihre Opfer eintauschen?
Nichts als zwei Dinge! Einen Mann und ein Herz!
Aber auch einen Mann in wahrem Sinne des Wortes,
und ein Herz, das, wenn es sich einmal gibt, sich auch
für die Ewigkeit gibt!
Und Sophie, brauche ich es noch hinzuzufügen? Wie
Ihre Entscheidung auch ausfallen möge — ich kann nur
mit Zittern daran denken —, ich werde nie aufhören.
Sie und Ihr Andenken zu segnen! Ich werde nie auf
hören, Ihnen der treueste und ergebenste Freund zu
sein! Ich werde Sie noch segnen mit Tränen in den
Augen.
Lassalle
Fast wollte Sonja „ja" sagen. Da wurde sie plötzlich von einem
Heimweh nach Rußland überrumpelt und begann zu zögern. Sie
vertraut sich dem Vater an, der erwidert: „Beeile dich nicht!"
Schlaflose Nächte, neuer Briefwechsel mit Lassalle, dann rasch ein
Wiedersehen mit Lassalle in Berlin. Doch folgen wir wieder
Sonjas Tagebuch: