$ 8. Kapital und Einkommen in der Geldwirtschaft. 0
Natürlich kann eine solche Ziffer niemals genau angegeben werden, die
angegebene Zahl dürfte aber eine ungefähr richtige Schätzung sein.
Sie stellt sicher auch den gleichzeitigen Zuwachs des Volkseinkommens
mit ungefährer Richtigkeit dar. Entgegengesetzte Schätzungen dieses
Zuwachses müssen auf statistischen Fehlern beruhen.
Für die westeuropäische Welt darf man wohl für die Vorkriegszeit
ein Fortschrittsprozent von etwa 3% als normal annehmen. Obwohl
eine solche Ziffer offenbar nur eine annähernde Gültigkeit haben kann,
ist es doch gut, einen Anhaltepunkt für Vergleiche zu haben und an die
Notwendigkeit erinnert zu werden, daß im großen der Zuwachs sowohl
des Kapitals wie des Einkommens und der jährlichen Kapitalbildung
durch dieselbe Zahl bezeichnet werden muß. Die durch die „Denk-
schrift zur Reichsfinanzreform‘“ (Berlin 1908) zugänglich gemachten
Ziffern lassen ein solches Zuwachsprozent als für damalige deutsche
Verhältnisse wahrscheinlich annehmbar erscheinen?),
1) In der Periode 1850—1907 ist die Roheisenproduktion der Welt um jährlich
4,2 % gestiegen (Sundbärg, Apercus Statistiques XI). Die Entwicklung der Eisen-
produktion kann, wie wir im vierten Buche sehen werden, als für die ganze industrielle
Entwicklung charakteristisch angesehen werden. Nehmen wir an, die Lebensmittel-
produktion wäre gleichzeitig mit 1,2 % jährlich gestiegen, was bei der tatsächlichen
Volksvermehrung und Nahrungsverbesserung nicht unwahrscheinlich ist, und setzen
wir ferner voraus, daß die Lebensmittel 1/s des Volkseinkommens repräsentieren,
und daß die übrigen ®*/, dieses Einkommens mit dem industriellen Fortschritts-
prozent gewachsen sind, so gelangen wir zu einem durchschnittlichen Fortschritts-
prozent von 3,2 %. Diese Schätzungen sind natürlich ziemlich unsicher. Es scheint
aber, als wäre es immer noch besser, von den betreffenden sehr wichtigen quanti-
tativen Verhältnissen wenigstens eine ungefähre Vorstellung zu haben als gar keine.
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