Sobald man sich aber den gesamten Interessenzusammenhang ver-
gegenwärtigt, wird man gewahr, daß das tief genug gefaßte Interesse
des Arbeitgebers erfordern würde, daß er den Arbeitnehmer nicht bloß
einseitig anspannt, sondern sich mit dessen ganzer Person befaßt. Je
besser es gelingt, die persönliche Entwicklung im umfassendsten Sinne
des Wortes zu befördern, um so qualitativ höher und um so dauerhafter
werden im allgemeinen die erzielbaren Dauerleistungen sein.
Anderseits liegt es auch im Interesse des Einzelnen, seine Fähig-
keiten möglichst zu schulen und zu Fertigkeiten zu entwickeln. Das
wird ihm innere Befriedigung an seiner beruflichen Tätigkeit und auch
die verhältnismäßig beste äußere Position geben können.
Es ist also ein für die Wirtschaft, wie für jeden Einzelnen be-
deutungsvoller Fortschritt, daß es der Psychotechnik gelungen ist, durch
wissenschaftliche Methoden das «Anlernen» so zu verbessern, daß in
kürzeren Zeiten bessere Arbeitsergebnisse erzielt werden können.
Welches sind die psychologischen Faktoren, die beim Anlernen zu
berücksichtigen sind? Wir haben auf der einen Seite das Individuum
in. seiner Besonderheit, auf der anderen Seite das Milieu, in dem es ar-
beiten soll.
Beim Individuum kann man für die Analyse des Anlernprozesses
unterscheiden zwischen seinen «natürlichen Fähigkeiten», die bei jedem
verschieden entwickelt als angeborene Elemente vorliegen, seinen «all-
gemeinen Gewöhnungen>», die er sich von klein auf bis zum gegebenen
Moment angeeignet hat und mit denen bei der Entwicklung neuer Ar-
beitsgewöhnungen gerechnet werden muß, und endlich der «affektiven
und der Willensseite» des Individuums, die namentlich bezogen auf die
Arbeitsgemeinschaft und das Arbeitsziel von Bedeutung sind.
Hinsichtlich des Milieus müssen wir unterscheiden zwischen dem
eigentlichen «Arbeitsvorgange», dem «Arbeitsraum>» (Luft, Beleuchtung,
Lärm, ästhetische Wirkung), dem «direkten Kontakt mit den Mitarbei-
tenden» (Vorgesetzten und Untergebenen) und der «Fernwirkung des
Arbeitszieles.»
Alle diese teils im Individuum, teils im Arbeitsmilieu liegenden Fak-
toren sind gleichzeitig wirksam. Die Analyse der Individuen einerseits,
der verschiedenen Arbeiten und Arbeitsumgebungen anderseits erlauben,
zunächst durch rationelle Aufteilung der Arbeitsfunktionen und durch
zweckentsprechende Zuordnung der Arbeitskräfte die wünschbare Ueber-
einstimmung zu erreichen. Eine psychologisch rationelle Anlernzeit ın
einer Anlernwerkstatt, Anlernkurs oder Anlernschule gestattet überdies,
von Anfang an dem Lernenden möglichst günstige Arbeitsgewöhnungen
und rationelle elementare Berufsfertigkeiten beizubringen, so daß am
Austritte aus dem Anlernkurs die Lehrlinge in den weiteren Lehrjahren
bereits schon für Berufsarbeiten verwendet werden können.
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