zur Sprache, die als solche einfach sind, aber höhere Ansprüche stellen
an das Verantwortlichkeitsbewußtsein des Ausübenden.
In diesem II. Kapitel müssen nun diese verschiedenen Faktoren
gleichmäßig berücksichtigt werden. Der ausgelernte Schlosser muß
zum Beispiel auch als Ortsmonteur selbständig, zuverlässig und mit
großer Verantwortlichkeit arbeiten können. Er hat nicht nur einige
wenige gegebene Arbeitsbewegungen zu beherrschen, sondern tatsäch-
lich deren sehr viele und muß dazu stark wechselnden Aufgaben den-
kend und überlegend gewachsen sein. So ist verständlich, daß für die
Schlosserlehre die Leute vorsichtig ausgewählt werden. Im allgemeinen
wird eine Probezeit von etwa 8 Wochen vereinbart. Erweisen sich nach
diesen 8 Wochen die Leistungen als ungenügend, so wird der Lehrling
entlassen. Für den Betroffenen sind jeweilen nicht nur diese 8 Wochen
verloren, sondern es bleibt bei ihm fast immer auch eine ihn beein-
trächtigende Enttäuschung zurück. Im kritischen Alter der Berufswahl,
wo der Schulentlassene den Schritt ins Leben macht, hat ein erster miß-
glückter «Anlauf» nicht selten schwerwiegende Folgen für den Charak-
ter und die weitere Entwicklung des Jugendlichen.
Heute kann dieses Risiko praktisch auf Null reduziert werden, wenn
die jungen Leute vorgängig der Berufsentscheidung nicht nur ärztlich.
sondern auch psychotechnisch untersucht werden. Das trägt bei zu der
Bedeutung, welche die psychotechnischen Begabungs- und Berufseig-
nungsprüfungen !) für das Individuum und die Gesellschaft haben. In
der Lehrwerkstatt von Gebr. Bühler in Uzwil, über die nachfolgend re-
feriert wird, werden alle Lehrlinge vor Antritt der Lehre Psychotech-
nisch untersucht. Der Lehrmeister erhält die Prüfresultate und benützt
sie zu seiner Orientierung über das, was er von ihnen erwarten kann
und als Anhaltspunkte für die Behandlung jedes Einzelnen während der
Lehrzeit.
Die psychologischen Grundgedanken
der Instruktion.
Die Instruktion bezweckt eine systematisch aufgebaute Lehre, die
innert kürzester Zeit die Leistung qualitativ vollwertiger Arbeiten zu er-
reichen erlaubt. In je kürzerer Zeit der Lehrling lernt vollwertige Ar-
beiten zu leisten, desto rascher kann er auch in für den Betrieb produk-
tiver Weise verwendet werden.
Ein weiteres Ziel der Instruktion ist die Befestigung von Arbeits-
gewöhnungen, die den späteren Arbeiter befähigen, aus eigenem Antrieb
rasch und qualifiziert zu arbeiten. Eine wesentliche Vorbedingung dafür
5 1) Wir möchten damit selbstverständlich nicht den billigen Testverfahren das Wort reden, sondern ver-
stehen unter einer psychotechnischen Begabungs- und Berufseignungsprüfung die umfassende psychologische
Diagnose der natürlichen Wahrnehmungs-, Reaktions- und geistigen Fähigkeiten und der festeren Verhaltungs“
gewohnheiten. Vergleiche Suter, Intelligenz- und Begabungsprüfungen, und Carrard, Congres International de
1’Organisation scientifique du Travail ä Bruxelles, octobre 1925 (Organisation scientifique du travail au point de
vue psychotechnique).
46