Full text: Zur Psychologie des Anlernens und Einübens im Wirtschaftsleben

ken- und interesselosen Arbeiten kommt, also zur vollen Automatisie- 
rung, sonst geht eine wichtige psychologische Hilfe, die interessierte 
Einstellung des Lehrlings, verloren, welche wichtige Impulse für den 
Fortgang der Instruktion liefert. 
Wenn der Lehrling das Feilen auf der breiten Eisenunterlage be- 
herrscht, erhält er eine halb so breite Fläche zur Bearbeitung. Die 
Führung, welche die breite Unterlage für die Ausführung der rich- 
tigen Bewegung bot, wird dadurch stark reduziert. Schon bei den ersten 
Feilenstößen weicht der Lehrling in der Regel von der horizontalen 
Lage ab. Er wird aber sofort korrigiert, und er muß die richtige Lage 
wieder ohne Drücken suchen und erst allmählich wieder mit dem Druck 
einsetzen. Es kommt hier wieder wesentlich darauf an, daß der Lehr- 
meister ja keine falsche Bewegung und entsprechende Gewöhnungen 
aufkommen läßt. 
Die Praxis hat gezeigt, daß man für diese Zwecke mit Vorteil Eisen- 
klötze von abnehmender Breite verwendet. 
Die praktischen Resultate bestätigen die Erwartungen, die man von 
der theoretischen Seite hegen kann, vollauf. Von den sechs ersten Lehr- 
lingen, die nach dieser Methode angelernt worden sind, konnte nach 
18 Stunden Uebung einer schon einwandfrei flach und sogar leicht kon- 
kav feilen. Drei nach 28 Stunden und die anderen nach 35 und 44 
Stunden, inbegriffen die Pausen, während welchen den Lehrlingen 
Unterricht im Messen und Anreißen erteilt wurde. Es kamen noch suk- 
zessiv 16 weitere Lehrlinge, die alle das Flachfeilen gleich rasch lern- 
ten. Vergleicht man diese Resultate mit denen, die man von früher her 
kennt, so sieht man, daß selbst bei besserer Qualität der Arbeit diese 
Lehrzeit auf den zehnten bis zwanzigsten Teil der bisher dafür aufge- 
Wendeten Zeit reduziert worden ist. 
Auf dem Flachfeilen bauen weitere Anwendungen auf. In der 
Praxis gibt es mit der Feile auch äußere und innere Rundungen zu be- 
arbeiten. Hat man es hier mit neuen Bewegungen zu tun? Wie können 
diese zergliedert werden? Das sind die Fragen, die bei der Aufstellung 
eines Lehrplanes immer wieder beantwortet werden müssen. 
Es zeigt sich bald, daß innere Rundungen leichter zu feilen sind, als 
Außenrundungen. Darum muß mit den ersteren - begonnen werden. 
Durch den Vorschub der Feile längs dem Umfang der Rundung wird 
die Feile bei Innenrundung ins Material hinein, bei Außenrundung vom 
Material weg geführt. Im ersten Fall ist daher die Führung der Feile 
und die Erhaltung des gleichmäßigen Kontaktes mit der Oberfläche viel 
leichter zu bewerkstelligen. Eine weitere Schwierigkeit, die bei Innen- 
Oder Außenrundung auftritt, besteht darin, die Feile immer genau paral- 
lel zur Achse der zylindrischen Metallfläche zu halten, während sie 
gleichzeitig vorwärts und seitwärts zu bewegen ist. Die nachfolgenden 
Bilder veranschaulichen die richtige Feilbewegung bei Innenrundung. 
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