lebt, so gibt man ihm eine zweckmäßige Fassung, in die er die Stücke
leicht einspannen kann, so daß das Anreißen und Einstellen vor dem
Bohren wegfallen und das Stück sich während des Bohrens nicht mehr
verdrehen kann. Auf diese Vorteile wird der Lehrling aufmerksam ge-
macht. Dann läßt man ihn die Zahl der verarbeiteten Stücke nach 10
Minuten wieder zählen. So erfährt er an sich selbst, daß er bei gerin-
gerer Anstrengung ein Vielfaches zu produzieren imstande ist. Solche
Erfahrungen können fortgesetzt werden. Wenn schließlich Interesse
und Verständnis für zweckmäßige Hilfsvorrichtungen geweckt sind, in-
dem bei allen Arbeiten auf solche Möglichkeiten hingewiesen wird, wird
der Lehrling auch von selbst suchen, sich mit solchen Vorrichtun-
gen zu helfen. In der modernen Arbeitsteilung werden Hilfsvorrichtun-
gen, die bis zu Spezialmaschinen entwickelt werden können, meist
durch ein besonderes Bureau entworfen, von der Werkzeugabteilung
hergestellt und dem Arbeiter mit der Arbeit zugewiesen. Der Lehrling
wird selbstverständlich nicht dazu erzogen, solch komplizierte Hilfs-
vorrichtungen selber zu ersinnen. Und doch ist nur schon das Vor-
sehen eines Anschlages, der die Arbeit erleichtert, eine Hilfsvorrichtung.
Ist der Heranwachsende geistig darauf vorbereitet, sich bei seiner Arbeit
immer am rationellsten einzurichten, so ist viel gewonnen. Ein der-
artiger Arbeiter wird in allen Lagen mit Leichtigkeit mehr produzieren
als andere, die nicht von Anfang an so gewöhnt sind.
Aber auch mit den besten Hilfsvorrichtungen allein wird das Opti-
mum der Arbeitsleistung nicht erreicht. Der Lehrling muß noch anschau-
lich darüber aufgeklärt werden, daß er seine Hantierungen möglichst
einfach, kurz und rasch ausführen muß. Diese Anleitung muß in der
oben beschriebenen Weise gegeben werden. Beispielsweise faßte ein Lehr-
ling die zu bearbeitenden Stücke mit der linken Hand, kehrte sie in der
Hälfte der Fälle nochmals um unter Mitbenützung der rechten Hand,
ergriff nachher eine eingestellte Schublehre, um die Gesamtlänge des
Stückes zu verifizieren, legte dann die Schublehre wieder weg, ergriff
nun ein Einlageblech, legte es an einer bestimmten Stelle ins Stück hin-
ein, führte daraufhin das Ganze in eine Aufspannvorrichtung, schraubte
es durch mehrmaliges Drehen des Schraubenflügels fest und drehte es
in die richtige Lage, um bohren zu können. Dieser ganze Vorgang dauerte
60 Sekunden, das eigentliche Bohren durchschnittlich 40 Sekunden, die
Gesamtzeit also 100 Sekunden. Nun wurde der Lehrling darauf aufmerk-
sam gemacht, daß er unnötige Bewegungen machte, man veranlaßte ihn,
zuerst selber zu überlegen, was er eigentlich geschickter machen könne;
der Lehrmeister sekundierte nur durch zweckmäßige Fragen. Nach
zwei Minuten Ueberlegung hatte er seine Bewegungen so rationell ein-
gestellt, daß er statt 60 Sekunden nur noch 25 Sekunden zum Auf- und
Abspannen benötigte. Der ganze Prozeß dauerte nur noch 40 plus 25
gleich 65 Sekunden, statt deren 100, also ein Zeitgewinn von 35 Pro-
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