– 409 .-
durch Valutaschwankungen verursachten, noch schnelleren
Veränderungen zu begegnen. Solche Versuche bilden
eine Quelle neuer Schwierigkeiten für den Handel und
an und für sich eine Quelle der Unsicherheit. Andererseits
sind auch in den Ländern, deren Währung entwertet ist,
Tarife eingeführt worden, um die Einfuhr zu unter-
binden, wodurch man der Inflation Einhalt zu tun
hoffte. Endlich ist es zuweilen vorgekommen, daß, wo
der Inflation die Deflation gefolgt ist, in Papier-
währung zahlbare Jollgebühren, die während der In-
flation erhöht worden waren, nach Eintritt der Auf-
wertung nicht entsprechend herabgesezt worden sind.
Diese schwankenden Valutaverhältnisse sind jetzt großen-
teils überwunden; die Tarif- und sonstigen Maßnahmen,
die gerade ihretwegen angewendet wurden, sind jedoch
noch nicht völlig beseitigt.
Ein zweiter Grund für den gegenwärtigen Stand der
Tarife in Europa und anderwärts ist der Wunsch der
Völker, bestehende oder neugegründete Industrien da-
durch aufrechtzuerhalten, daß die Tarife auf einer Höhe
gehalten werden, die sie sonst nicht beibehalten könnten.
Diese Industrien sind zu ihrer jetzigen Ausdehnung zum
Teil infolge annormalen Entwicklung während des Krieges
gelangt, zum andern Teil infolge des Strebens gewisser
Völker, einen Grad wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu
erreichen, den ihre geringen Hilfsquellen nicht recht-
fertigen, und wieder zu einem anderen Teil zum Jwecke
der Beschaffung von Arbeitsmöglichkeit für überschüssige
Arbeitskräfte, denen ihre früheren Arbeitsmärkte jeht
verschlossen sind.
Die Zunahme der Produktionskapazität hat häufig die
Aufnahmefähigkeit des betreffenden Landes sowohl dem
materiellen Bedarfe wie der Kaufkraft nach überstiegen.
Das Ergebnis war entweder, daß die unausgenußten
Produktionsmittel die Erzeugungskosten übermäßig be-
lasteten, insbesondere, wenn eine Kapitalverschuldung
vorlag, oder daß man sich, um die gesamten Produktions-
mittel ausnutzen zu können und dem angelegten Kapital
zu einem Ertrage zu verhelfen, an fremde Märkte wenden
umd so den internationalen Wettbewerb verschärfen mußte.
Das Streben, dem Problem der übersschüssigen ge-
werblichen Arbeitskraft gerecht zu werden, hat gewöhnlich
zu dem Versuch geführt, den heimischen Markt mit Hilfe
von ZJollschranken der heimischen Produktion vorzube-
halten; diese Zollschranken wurden zu dem Jwecke er-
richtet, eine unabhängige Volkswirtschaft zu schaffen, die
fähig wäre, unter dem Schutz der Jollmauer ein An-
wachsen des Anlagekapitals und einen befriedigenderen
Ertrag für die nationale Arbeit zu erzielen. Dies Streben
nach Autarkie hat keine Aussicht auf Erfolg, wenn es
nicht durch die Größe, die natürlichen Hilfsquellen, die
wirtschaftlichen Vorteile und die geographische Lage eines
Landes gerechtfertigt wird. Sehr wenige Länder in der
Welt haben Aussicht, eine Autarkie zu erreichen.
Die künstliche Vermehrung der Produktionsmittel, die
nur zum Teil ausgenutt werden, hat nicht nur zu einer
unwirtschaftlichen und kostspieligen Produktion, sondern
auch zu einem verschwenderischen Gebrauch der be-
schränkten Kapitalquellen der Welt geführt. So war sie
eine der Ursachen für die Beibehaltung eines abnorm
hohen Jinssatßes in den letten Jahren. Dazu ist nock
1 D