fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Die Naturphilosophie. — Fracastoro. 
dass ihr nicht die Reproduktion vorher gegebener Empfindun- 
gen zufällt, sondern ihre Mitwirkung bereits beim ersten Zu- 
standekom men des Wahrnehmungsinhalts vorausgesetzt wird. 
Ohne das Vermögen der Sonderung, ohne die successive Apper- 
ception und Herausarbeitung der Einzelmomente eines Komplexes, 
ist selbst der erste Rohstoff der „Vorstellung“ nicht zu begreifen. 7) 
Allgemein bilden Verknüpfung und Trennung die wesent- 
lichen Hauptzüge des Denkens, die sich bis in seine höchsten 
Formen und Leistungen festhalten und nachweisen lassen. Hier 
muss somit auch die Entstehung der Allgemeinbegrifle ihre Er- 
klärung finden, Indem wir einen bestimmten Einzelinhalt nach- 
sinander in mehrfachen und wechselnden Verbindungen an- 
treffen, lernen wir allınählich, ihn als selbständiges Element her- 
auszulösen und ihm eine gesonderte Wesenheit unabhängig von 
den zufälligen Nebenumständen, mit denen er überall vermischt 
arschien, zuzuordnen. Der Begriff ist somit nichts anderes, als 
die „Aehnlichkeit“. zwischen verschiedenen verwandten Wahr- 
nehmungskomplexen: eine Aehnlichkeit, die zwar vom betrach- 
tenden Geiste isoliert, nicht aber als ein selbständiges dingliches 
Etwas vorgestellt werden darf. Sein Verhältnis zum einzelnen 
sinnlichen Eindruck ist damit geklärt: die einzelne „Species“ ver- 
mag den Gehalt des Begriffs zwar nicht unmittelbar abzubilden, 
wohl aber symbolisch zu repräsentieren, sofern in ihr eine Be- 
ziehung zu allen andern gleichartigen Wahrnehmungen mitge- 
dacht wird. An sich und seiner eigentümlichen psychischen 
Qualität nach ist jeder Bewusstseinsinhalt singulär: „universal“ 
kann er nur durch den subjektiven Gesichtspunkt der Betrach- 
tung werden, sobald wir in ihm ein Zeichen der gesamten Klasse 
‚on Inhalten sehen, der er angehört. 38) Diese Lösung, die in der 
neueren Zeit noch in Berkeleys Begriffstheorie unverändert er- 
nalten ist, mündet, rückwärts verfolgt, in den scholastischen 
„Terminismus“ ein. Mit Wilhelm von Occam unterscheidet Fra- 
castoro jetzt Begriffe erster und zweiter Ordnung (intentiones 
primae et secundae), von denen jene sich direkt auf äussere Ge- 
zenstände, diese sich nur auf unsere Aussa gen über Gegenstände 
beziehen und somit in einer Reflexion des Verstandes auf sich 
selbst ihren Ursprung haben. Die Abtrennung in Arten und Gat- 
‘ungen gehört lediglich diesem zweiten Typus des Denkens an:
	        
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