Object : Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

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I.  Zu  den  Anlagekosten  gehören:  Gestehungspreis  der  Anlage, ­
  alle  palt  dem  Bezug  verbundenen  Kosten  sowie  alle  Nebenspesen ­
  bis  zum  betriebsfähigen  Zustand  der  Maschine  (Montage).
Zum  Gestehungspreis  der  Anlage  sind  somit  Zu  rechnen:  Preis
der  Maschine,  Kosten  der  Kesselanlage,  nebst  Ausrüstung,  Rohrleitungen, ­
  Pumpen,  Schornsteine,  Fundamente,  Kosten  der  Kläranlagen, ­
  Gaswascher  und  Gaskühler,  Kühl  Wasserleitung,  Gebäude
für  die  Unterbringung  u.  a.
II.  1  *  3  *  *  *  * )  au)  Kraftkosten:  aa)  Dampfkraft:  Die  Kraftkosten ­
  sind  identisch  mit  den  Kosten  des  Brennmaterials  (Kohle,
Teer,  Petroleum,  Torf,  Holz  u.  a.)  und  des  Wasserverbrauches.  Zu
den  Kosten  des  Brennstoffes  sind  außer  dem,  Einkaufspreis  alle
Kosten  bis  zur  Verwendungsstelle  und  jene  für  die  Aschenabfuhr
zu  zählen.
Der  Kohlenverbrauch  einer  Dampfmaschine  richtet  sich  nach  Maschinengröße,
Heizwert  des  Brennmaterials  und  Güte  der  Kesselanlage,  Spannung,  Tourenzahl,
Dampfverlust  durch  Undichtigkeit  und  Abkühlung,  Steuerung  usf.  Er  sinkt  bei
zunehmender  Leistung  verhältnismäßig.  Um  die  Wirtschaftlichkeit  einer  Anlage
im  voraus  berechnen  zu  können,  ist  es  notwendig,  den  Kohlenverbrauch  für  die
PS.-Stunde  zu  berechnen.  Man  ermittelt  den  Kohlenverbrauch,  indem  man  den
Dampfverbrauch  für  die  PS.eff.Stunde  normaler  Belastung  vervielfacht  mit  der
Maschinenleistung  (PS.)  und  das  Produkt  durch  das  Verdampfungsvermögen  des
Brennmaterials  teilt;  überdies  ist  der  Verbrauch  für  Anheizen  und  Betriebspausen
zu  berücksichtigen.  Z.  B.  eine  200  PS.  zweifache  Expansionsmaschine  verbraucht
bei  Überhitzung  des  Dampfes  6  kg  Dampf  für  die  PS.eff.  stündlich;  1  kg  Kohle
verdampft  7,6  kg  Wasser,  d.  h,  erzeugt  7,5  kg  Dampf,  der  Kohlenverbrauch
200.6
beträgt  somit  ———  =  160  kg  per  Stund.
7.6
Der  Heizwert*)  des  Brennmaterials  wird  beurteilt  nach  der  Anzahl  von
Wärmeeinheiten 8 )  (Kalorien),  die  1  kg  des  Brennstoffes  bei  vollkommener  Verbrennung ­
  entwickelt.  Kennt  man  den  Heizwert  des  Brennmaterials,  so  lassen  sich
die  Brennstoffkosten  für  die  Dampferzeugung  daraus  berechnen;  z.  B.  Steinkohle
kostet  Mk.  2,10  für  100  kg  und  entwickelt  7500  W.  E.;  10000  W.  E.  kosten  somit
2,8  Pfg.  Oder  man  berechnet  den  Preis  für  1kg  Dampf:  z.  B.  man  braucht  mit
Rücksicht  auf  den  Wirkungsgrad  des  Kessels  (etwa  65°/ 0 )  ungefähr  1000  W.  E.
zur  Verdampfung  eines  kg  Wassers,  1  kg  Kohle  entwickelt  7500  W.  E.,  d.  s.
')  Vgl.  Musil,  Die  Motoren  für  Gewerbe  und  Industrie,  3.  Aufl.,  1897.
Riedler,  Die  Betriebskosten  von  Kleinmotoren  in  der  Zeitschrift  d.  V.  deutscher
Ing.,  1891.  S.  299  ff.  Urban,  Ermittelung  der  billigsten  Betriebskraft  für  Fabriken,
Berlin  1907  ,  2.  Aufl.,  1912.  Marr,  Die  neueren  Kraftmaschinen  ihre  Kosten
und  Verwendung.  München  1904.  Barth,  Die  zweckmäßigste  Betriebskraft.
3  Bändchen,  Sammlung  Göschen.  Die  volkswirtschaftliche  Seite  behandeln:
Schmidt,  Ökonomie  der  Wärmeenergie  (Springer,  Berlin);  Zoepfl,  Nationalökonomie ­
  der  technischen  Betriebskraft,  I.  Bd.,  Jena  1903.
*)  Über  den  Heizwert  verschiedener  Brennstoffe  vgL  die  Zeitschrift  d.  V.
deutscher  Ingenieure  von  1898  S.  782,  von  1899  S.  333,  sowie  die  Flugschrift  Nr.  3
von  1897  des  Magdeburger  Vereins  für  Dampfkesselbetrieb.
3 )  Eine  Wärmeeinheit  (W.  E.)  ist  jene  Wärmemenge,  die  zur  Erhöhung  der
Temperatur  von  1  kg  Wasser  um  1°  C  notwendig  ist.
            
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