SPANIEN — Finanzen.
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entstanden war, dass die Cortes 1810 und 11 in der grössten Noth
Privatgelder weggenommen und zur Rettung des Thrones des nämli
chen Fürsten im Kriege gegen den „Usurpator“ verwendet hatten!—^
Die Cortes von 1820 fanden eine Schuldenmasse von etwa 14,000*
Mill. Zwei Dritthcilc der Schuldurkunden gehörten aber geistlichen
Corporationen, deren Aufhebung bereits beschlossen war. Dadurch
verminderte sich die Schuld bis zu 4833, oder nach einer andern
Aufstellung bis zu 5273 Mill. Zur Tilgung besase man National
güter im (ganz niedrig taxirten) Werthe von 8633 Mill. — Nach
Wiederherstellung des Absolutismus verweigerte König Ferdinand den
durch die Cortes beschlossenen und von ihm selbst genehmigten An
lehen die Anerkennung, obwohl das Geld mit zur Zahlung seiner
Civilliste verwendet worden war. Ebenso erklärte er die Verkäufe
von Klostergütern für nichtig; man nahm den Käufern die Grundstücke,
ohne ihnen die bezahlten Beträge zurückzuerstatten. (Es waren 25,177
Grundstücke verkauft worden, und zwar um die Summe von 1045
Mill., während der Taxwerth nur 450 Mill, betragen hatte ; die wirk
lich geleisteten Zahlungen beliefen sich auf mehr als 352 Mill.) ^
Nun musste Spanien noch eine Kriegsentschädigung an Frankreich
leisten: 80 Mill. Frk., in 3prozentigen Inscriptionen in das „grosse
Buch. “ Aber auch England forderte verschiedene Entschädigungen.
Um dasselbe zu befriedigen, nahm Spanien zu Paris 100 Mill. Frk.
auf, im Course von — 50 Prozent ! — Nach der Zeit der Julirevo
lution suchte man zwar wiederholt den Staatsgläubigern und den Na
tionalgüterkäufern gerecht zu werden; um wieder geliehen zu bekom
men, musste man sich auch dazu bequemen, die alten Schulden an
zuerkennen. Allein immer bildete die Finanzzerrüttung ein Hinder
niss • immer wieder ward man auch zum Verkaufe der Geistlichen-
güter gedrängt. So erfolgten von 1836 bis zum October 1839 Ver-
äusserungen im Betrage von mehr als 1300 Mill. Realen; aber Alles
reichte nicht aus. — Ein Ausschuss der spanischen Staatsgläubiger
in London berechnete im Jahre 1840 die Schulden folgendermaassen ;
Innere unverzinsliche Schuld
Aeussere unverzinsl. u. aufgeschobene Schuld
Verzinsl. Schuld .
Realen 9,995’489,321
2,434’344,000
5,419748,483
Zusammen 17,849’581,904
In dem Berichte über das Budget für 1842 finden wir dagegen
mir die Summe von 11,815’850,043 R. angegeben, wovon überdies
abzuziehen seien: 300 Mill, eingezogene Forderungen des Weltclerus,
und 1120 Mill, ausstehende Kaufgelder für Nationalgüter; sonach die
wirkliche Schuld:
consolidate 5,820954,000 R. mit SOO'954,982 R. Jahreszins
unverzinsliche 4,673^806,043 „
Total 10,495760,043 „ wozu gegen 1000 Mill, verfall. Zinsen kamen.
Wie colossal die Verwirrung, kann man indessen daraus abneh
men, dass in einer amtlichen Aufstellung von Endo 1849 aufgeführt
werden :