Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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fügten sich aber schnell diesem Verhältnis und verlegten gewisse 
Teile der Fabrikation, wie das Spinnen, Weben, z. T. auch das 
Walken, nach Brabant, wo es für ihre Rechnung geschah; die Ap- 
pretur blieb jedoch in Leiden*). Als die Unternehmer die ganze 
Herstellung nach Brabant verlegten und dorthin die Erfahrungen 
der feineren Technik und des Handelsbetriebes brachten, gewann 
die Brabanter Industrie mehr und mehr das Übergewicht über die 
Leidener und verdrängte sie von den Märkten?). Nicht zu ver- 
gessen ist ferner der Einfluß der englischen Tucheinfuhr, die in 
großem Maße im 18. Jahrhundert durch die Interlopers erfolgte 
und von den Kaufleuten in den Seestädten befördert wurde®); sie 
hat zum Verfall der einheimischen Tuchfabrikation stark beige- 
tragen. Endlich aber veränderte sich auch in der Mitte des Jahr- 
hunderts die Mode insofern, als die schweren Stoffe weniger begehrt 
wurden und eine neue Klasse von Konsumenten die teueren Tuch- 
stoffe nicht für ihre Kleidung und die teueren Grobgrünstoffe nicht 
für Möbelbezüge anschaffen konnten; der Absatz der billigeren und 
gröberen Stoffe verlief besser*). 
Wohl versuchte man, durch künstliche Mittel dem Verfall 
Einhalt zu tun; so durch Lohnregelungen. Es hat das aber ebenso- 
wenig genutzt, wie die Versuche, durch protektionistische Maß- 
regeln der notleidenden Industrie zu helfen, z. B. durch das 1736 
erlassene Verbot der Ausfuhr gewaschener und gefärbter Wolle). 
Auch die Bestrebungen, den inneren Verbrauch zu heben, halfen 
wenig; 1701, 1704, 1706, 1707 beschlossen die Staaten von Holland, 
daß die dortigen Milizen nur mit binnenländischen Stoffen gekleidet 
werden sollten®); 1749 erließ der Statthalter Wilhelm IV. eine 
1) Nach de la Court, Welvaren, S. 129 sandten schon damals die 
Leidener Fabrikanten: täglich ihre Wolle zum Spinnen nach dem Gooiland, Flan- 
dern und Frankreich, ‚was noch zu entschuldigen wäre‘‘, aber selbst nach Delft 
und Gouda! 
?) Das führte dann zu dem oft gerügten Mißstand, daß Tuche, die außer- 
halb Leidens für Leidener Rechnung hergestellt waren, die Leidener Etikette er- 
hielten und den Schein erweckten, als wären sie in Leiden hergestellt (Berg, 
S.303ff.;- Posthumus:, Bronnen, VI. No. 345). 
3) Vgl. unten in $ 8. 
‘2% Posthumus,\Bronnen, VI, S. IX. 
5) Posthumus, Bronnen, VI, No. 262; auch an Verleihung von Prämien 
für die Herstellung von Tuch dachte man damals (ebenda, No. 255). 
s$) Kernkamp, Droogscheerders-Synode, S. 299. 
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