Metadata: Holländische Wirtschaftsgeschichte

Fabrikant Pierre Baille erhielt die Erlaubnis, 240 Kinder, die 
dem Waisen- und Almosenhaus entnommen waren, in seinen Manu- 
fakturen zu beschäftigen!). Die Vorschriften, die ihm zu diesem 
Zweck gemacht wurden, lauten verständig und sprechen für die 
Sorgfalt, mit der man diese doch noch ungewohnte Angelegenheit 
behandelte. Auch in anderen Betrieben wurde die Kinderarbeit 
jetzt Regel; in Rotterdam lieferte das Waisenhaus Arbeitskräfte?). 
Seitdem ist die Kinderarbeit aus gewissen Industrien nie ver - 
schwunden. 
Die Arbeitszeit war lang; ein zwölfstündiger Arbeitstag 
war nicht selten; so galt er um 1661 in der Amsterdamer Tuch- 
industrie®). Sonntagsarbeit war teilweise verboten, teilweise mit 
Rücksicht auf die ‚„negotie‘“ zugelassen‘). Die Stetigkeit der 
Arbeit war gering. 
Die Produktionsweise war noch im wesentlichen 
handwerksmäßig und bewegte sich im Kleinbetriebe; die Ausbil- 
dung der Maschinen lag noch in den ersten Anfängen. Erst lang- 
sam förderte die Verbesserung der Werkzeuge und Maschinen, die 
Einführung von Walkmühlen, Walzen usw. die Produktion; nur 
in wenigen Wirtschaftszweigen, die wir schon erwähnten, drang 
eine fabrikmäßige Organisation und Arbeitsweise durch. 
Die Löhne der Arbeiter waren wohl im allgemeinen nich t 
schlecht; außerhalb des Landes galten sie als hoch°) und wur- 
den deshalb vielfach als Grund für den Niedergang der holländischen 
Industrie angeführt. Von Lohnstreitigkeiten vernimmt 
man verhältnismäßig selten. Übermäßig langer Arbeit 
war der Holländer nicht geneigt, und die grobe Arbeit überließ er 
gern Fremden. Die Obrigkeit hielt sich allen diesen Dingen 
gegenüber im allgemeinen zurück; nur selten trat sie vermittelnd 
van Nierop, Stukken betr. d. nijverheid, S. 166 ff. (Econ. Hist. 
Jaarboek VII). 
ÖPringsheim, aa. 0. S. 55; vgl. oben S. 98. 
3 Pringsheim, 5S. 50; Kernkamp, _—Droogscheerders-Synode, 
S. 284; über Frauenarbeit in der Papierindustrie vgl. oben. 5S. 137. 
%.Kernkamp, a. allQ. 
5) Brugmans, Handel en nijverheid S. 229; Löhne von Arbeitern teilt 
Pringsheim, Beiträge S. 50ff. mit; ferner Kernkam p, Droogscheerders- 
Synode S. 284; darnach betrug der Taglohn für die Amsterdamer Tucharbeiter 
1648: 18, 1661: 18—21, 1682: 24 Stüver. 
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