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sich u. a. auf die viel bedeutendere Stellung ihres Gewerbes be-
riefen; in Amsterdam gab es allein mehr als 600 Bäcker, außerdem
über 1000 Grützmacher und Mehlkäufer, dagegen nur 14—15 Brauer.
In den Staaten von Holland standen die Sympathien auf seiten
der Brauer, die, wenn auch an Zahl schwach, doch über bessere
Beziehungen verfügten; sie verboten im April 1765 die Herstellung
künstlicher Hefe. Die Frage der Belastung der fremden Hefe ruhte
vorläufig, bis man entdeckte, daß nun die Branntweinbrenner
Kunsthefe herstellten, was Ende 1784 zu einer Beschwerde der
Brauer Veranlassung gab. Das Verfahren der Brenner, die sich
durchweg in günstiger materieller Lage befanden, erschien um so
verwerflicher, als sie sogar künstliche Hefe von außerhalb bezogen
und an die Bäcker verkauften!). Hierüber entstand dann ein lang-
wieriger Streit, bei dem die Brenner regelmäßig die Unterstützung
der Bäcker fanden und die Brauerhefe sehr schlechtgemacht wurde.
Die ganze Bewegung verlief im Sande; die Staaten von Holland
scheuten vor einem Entschluß zurück; wahrscheinlich hat die Be-
hauptung der Gegner, daß die Brauer nicht genügend Hefe liefern
könnten, Eindruck gemacht; und man wollte nicht ein nieder-
gehendes Gewerbe länger durch ein nicht mehr haltbares Monopol
stützen; deshalb tat man nichts. In ihrem Kampfe um die Existenz
griffen dann die Bierbrauer und Bieressigbrauer zu einem anderen
Rettungsanker; sie baten 1786 um Gewährung einer Prämie von
24 fl. auf die Last gemalzenen und ı8 fl. auf die Last ungemalzenen
Getreides. Die Staaten von Holland lehnten 1788 den Antrag ab;
mit der Begründung, daß solche Prämien der Brauerei nichts nutzen
und nur denjenigen unter ihnen zugute kommen würden, die es
am wenigsten nötig, d. h. am meisten Absatz und deshalb verhältnis-
mäßig die geringsten Betriebskosten hätten?).
Wie überall, so klagte man auch in Holland über die Güte des Hop-
fens. Seit 1622 ist von den Generalstaaten eine Reihe von Verordnungen gegen
die Verfälschung des Hopfens ergangen, ohne daß sie einen sichtbaren Erfolg gehabt
zu haben scheinen. Erst im 18. Jahrhundert griffen die Brauer diesen Gegenstand
1) Nach Nemnich, S. ı52 f., zogen die Brenner die brabantische Bier-
hefe der holländischen, ja selbst der eigenen Branntweinhefe vor; das sei zum großen
Schaden der holländischen Brauereien: „noch vor 30 oder 40 Jahren konnte eine
der größten Brauereien in Holland jährlich 30 000 fl. und drüber aus seinem Gäscht
machen.“‘
2) Timmer, a. a, O., S. 175 ff.; derselbe, De Strijd.
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