Object: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

Kämpfe der Protestanten; Religionsfriede von 18555. 445 
Ende in nächster Zeit zu erwarten; sein niemals starker Körper 
zeigte sich durch die Anstrengungen eines seit Jahren durchaus 
persönlichen Regiments nicht minder wie durch die Anforde— 
rungen einer dem Übermaß des Essens und Trinkens gewidmeten 
Muße völlig verbraucht. 
Wie die Welt, so mußte auch der Kaiser selbst sich in 
dieser Lage mit der Zukunft seines Hauses und seinem Reiche 
beschäftigen. Nun war für die nächste Nachfolge an der Krone 
schon gesorgt; seit 13831 war Karls Bruder Ferdinand römischer 
König. Allein bei den nicht weit voneinander entfernten Jahren 
der Brüder trat darüber hinaus die Frage auf, wer denn dessen 
Nachfolger sein werde? Und hier kam für den Kaiser neben 
Marimilian, dem jovialen, in Deutschland außerordentlich be— 
liebten Sohne Ferdinands, vor allem, ja ausschließlich sein 
eigener Sohn, Philipp, in Betracht. Philipp war der Kandidat 
des Kaisers; seine Wahl durch die deutschen Kurfürsten sollte 
den mit dem Jahre 1547 eingeleiteten Umschwung der deutschen 
Verhältnisse krönen. 
Natürlich trat dem zunächst der Widerstand Ferdinands 
entgegen. Konnte der Kaiser wirklich glauben, daß er seinen 
Bruder durch einen am 9. März 1551 abgeschlossenen Vertrag 
dauernd gefesselt habe, wonach zunächst Philipp und erst nach 
dessen Kaiserkrönung Maximilian zum deutschen König gewählt 
werden sollte? Jedenfalls versuchte er die Wahl Philipps zum 
deutschen Könige mit allen Mitteln durchzusetzen. 
Aber da erlebte er eine grausame Enttäuschung. Mochte 
er auch nicht auf die augenblickliche Erfüllung seiner Absichten 
gerechnet haben; die Thatsache, daß von allen Kurfürsten sich 
nur zwei zu dem Reichstag begaben, von dem man vermutete, 
er werde zur Beschäftigung mit der Wahlfrage Anlaß geben, 
war über alle Maßen beschämend. Und die zwei erschienenen 
Kurfürsten, die Erzbischöfe von Mainz und Trier, erklärten 
vor dem päpstlichen Nuntius, niemals würden sie der Wahl 
Philipps zustimmen; ja sie empfahlen sich päpstlichem Schutze 
gegenüber den Zumutungen des Kaisers! 
Es war klar: die fürstlichen Libertätsgelüste waren, soweit
	        
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