Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

dam nieder, die englischen oder Kölner Ton!) verarbeiteten. Im
Jahre 1627 verliehen die Generalstaaten dem Franchoys
Jorisz für acht Jahre einen Octroi für den Alleinverkauf von
Tonpfeifen?). Dann nahm aber die Stadt Gouda diese Fabrikation
 in großem Maßstabe auf; halb Europa wurde mit dem dortigen
Erzeugnis versorgt. Im Jahre 1751 besaß Gouda 374 Pfeifenmacher®).
Auch diese Industrie ging Ende des 18. Jahrhunderts zurück infolge
der großen Konkurrenz des Auslandes, namentlich Preußens und
Englands*).
Auch die Steinindustrie bedarf der Erwähnung. Bei
dem völligen Mangel an Natursteinen und bei der Bodenbeschaffenheit
 großer Teile des Landes, die eine Pflasterung auch der Landwege
 unentbehrlich machte, mußte man sich durch eine ausgedehnte
Kunststeinindustrie helfen. Die holländischen Backsteine, die nicht
nur zu Häuserbauten, sondern auch zum Pflastern der Wege und
Fluren dienten, schufen ein wichtiges Gewerbe... Die Herstellung
einer richtigen Mischung von Flußkleierde mit Sand bildete den
Hauptprozeß bei dieser Industrie. Nach dem 17. Jahrhundert entnommenen
 Mitteilungen ist bekannt, daß um 1661 in Rhijnland
mindestens 39 Steinbäckereien bestanden, ja daß man sich hier
schon seit 1633 zu einem Produktionskartell zusammenschloß, das
jahrelang bestanden hat und die Produktion genau regelte®). Mit
drei Öfen produzierte man damals etwa I 900 000 Steine im Jahre;
auf jeden Ofen kamen rund 620 000 Steine®).
Schließlich möge noch die Seifenindustrie genannt
werden. Mit ihr in enger Beziehung stand die Ölfabrikation
und der Ölhandel. In Amsterdam war die Ölfabrikation,
ı) Über die Kölner Tonpfeifenindustrie, die sich gegenüber der holländischen
 gut zu behaupten wußte, vgl. Boerner, Köln. Tabakhandel, S. 68 ff.
?) Bijlsma, Engelsche tabakspijpmakers, S. 44 f.
3) Uffenbach, JM, 296; Beckmann, 5. 3631.; Volkmann,
S. 561; Niebuhr , Circularbriefe, S. 174.
4) 1752 verbot Dänemark die Einfuhr holländischer Tabakpfeifen. (La
Fargue, Onderzoek, S. 85); Nemnich, S. 247ff. Das preußische Verbot
erwähnt Schmidt, Beitr. z. Gesch. d. Stettiner Handels, II, 238.
5) van der Kloot Meyburg, Een productiekartel. Über diese
Industrie auch Niebuhr, S. 172.
es) Van der Kloot Meyburg, Eenige gegevens over de holl. Steenindustrie,
 S. 90; für die Herstellung der Ziegelsteine ‚„„‚Moppen‘“ wurden Sachverständige
 aus Holland verschrieben 1624 (Rehder, S. 174, 177).

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