Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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was alsbald einen bemerkenswerten Bevölkerungszuwachs be- 
wirkte‘). 
DieIndustrien, die durch diese Einwande- 
rung den Niederlanden zugeführt oder durch sie 
beeinflußt wurden, waren überaus mannigfach; kaum eine ist un- 
berührt geblieben; gegenüber der Einwanderung vor 100 Jahren 
zeigte 'sich eine größere Vielseitigkeit; das 'ent- 
sprach sowohl den seitdem veränderten wirtschaftlichen Verhält- 
nissen im allgemeinen als auch der hochentwickelten französischen 
Industrie. Unter den Amsterdamer Zuwanderern finden sich neben 
allen Spezialitäten der Textilindustrie zahlreiche Hutmacher, Seiden- 
arbeiter, Seifenfabrikanten, Band- und Posamentenmacher, Schnei- 
der, Handschuh- und Perückenmacher, Zinn- und Metallarbeiter, 
Böttcher, Gießer, Uhr- und Nadelmacher, Knopf- und Kamm- 
macher, Schreiner, Bäcker, Leder- und Goldarbeiter, Kerzen- und 
Schleiermacher, Apotheker, Gerber usw.?). Am wichtigsten 
waren einzelne größere Unternehmer für Spe- 
zialindustrien. Solchen kam man weit entgegen. Der 
Stadtverwaltung kam es besonders auf neue Industrien an. Der 
Refugie Pierre Baille erhielt von 1682 ab sehr erhebliche 
Vorschüsse, aber nur unter der Bedingung, daß er ausschließlich 
Manufakturen betriebe, die bisher nicht in der Stadt einheimisch 
gewesen seien?). In Amsterdam waren es namentlich die Vertreter 
der Textil- und Seidenindustrie, die man begünstigte. Auch Fabriken 
in Gold und Silber, in seidenen Stoffen, wurden begünstigt, alles 
Luxusindustrien*). In Amsterdam und Rotterdam blühte nun die 
Hutmacherei auf; veranlaßt durch die Einwanderung von Hut- 
machern hoben die Staaten von Holland die auf die Ausfuhr von 
Hüten ruhende Abgabe auf, anderseits erhöhten sie den Einfuhr- 
zoll®). Sehr wichtig war auch die Einwanderung für die Papier- 
fabrikation; mehrere französische Papierfabrikanten führten ihre 
hochstehende Fabrikation jetzt in den Niederlanden ein, so daß 
) Berg, S.,42: 
?) van Nierop, Stukken; S. 180.f. 
3 van Nierop, Si5H. 
‘Berg, S. 161 ft; van! Nierop., Stukken etc., I1, S. 211 ff. (Econ. 
Hist. Jaarboek, IX). 
5) Berg, Sı171f; 
10*
	        
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