fang an das wirtschaftliche Ziel im Auge,
das Ergebnis für Handel und Schiffahrt. Was sie allerdings einmal
an sich gerissen hatten, das gaben auch die Seeleute nicht gern
wieder auf; in ihren Herzen, so schrieb der venetianische Gesandte
1626, wirke das Interesse als ein harter Tyrann').
Über den Umfang der niederländischen Handelsflotte in älterer
Zeit mangelt es an sicheren Daten. Wir sind lediglich auf Schätzungen
angewiesen?). Um etwa 1607 werden in einem, vielleicht einem Dün-
kirchener zuzuschreibenden Aktenstück die in der Ostlandfahrt be-
schäftigten größeren Schiffe auf etwa 800 berechnet, dazu noch
2200 kleinere; ferner 2000 Schiffe in der Spanien- und Mittelmeer-
fahrt; in der Fahrt nach Ostindien jährlich 7, nach Brasilien 15,
nach Rußland mehr als 20 Schiffe; alles in allem etwa 3000 Schiffe
von durchschnittlich 120 Lasten. Zu diesen kamen dann etwa
3000 Fischereifahrzeuge3). Mögen diese Zahlen zu hoch oder zu
niedrig sein, im allgemeinen werden sie von der Wahrheit nicht
weit entfernt bleiben. Auch die 180 000 Menschen, die in jenem
Bericht als für diese Zeit in der Schiffahrt beschäftigt angenommen
waren, wobei die Zimmerleute, Segelmacher, Holzarbeiter usw.
miteinzuschließen sind, dürfte nicht zu hoch sein; für die Mitte
des 17. Jahrhunderts schätzte man diese Zahl auf 250 000 Menschen;
im ganzen dürften zu dieser Zeit 22 000 Schiffe und 240 000 See-
ıı Blok; Rel. Venet., S. 167.
?) Vogel, Europ. Handelsflotten, S. 331, nimmt an für die Niederlande
1470: 30 000, 1570: 116 000, 1670: 284 000 Lasten (zu 2 Tonnen).
%) Blok, Een merkwaardig aanvalsplan, S. 8ff. Blok hält die 3000 Fi-
schereifahrzeuge für zu hoch, ebenso die 2000 Spanien- und Mittelmeerfahrer; da-
gegen seien die 7 Ostindienfahrer (5 holl. und 2 seeländ.) zu wenig. — Höher als in
diesem Bericht sind teilweise die Zahlen, die der Engländer Raleigh 1603 über
die niederländische Schiffahrt gibt (Macpherson, Annals II, S. 233 ff.), näm-
lich: nach England jährlich 5—60o Schiffe; für ihren Holzhandel in der Ostsee jähr-
lich 5—600 große Schiffe; allein nach Danzig, Königsberg, Elbing jährlich etwa
3000 Schiffe. Sie bauten jährlich etwa 1000 Schiffe und verwendeten in ihrer Fischerei
etwa 20 000 Schiffe und 400 000 Menschen. Letzteres ohne Zweifel viel zu hoch,
wie schon Blok und andere nachgewiesen haben. Nach Blok (S. 32) könne die
Angabe von 180 000 Menschen wohl zutreffen. Dagegen übertrieb die Raleigh-
sche Angabe der 20 000 Schiffe wohl nicht; in jenem Bericht werden 22 370 Schiffe
angegeben; dazu 240 815 Seeleute (S. 37). Ein allgemeines Urteil über die holländi-
sche Schiffahrt aus dem Munde eines Franzosen um 1660: „La Hollande a plus de
ma1sons sur mer que sur terre‘‘ (Murris, La Hollande etc., S. 248 f.).
Baasch, Holländische Wirtschaftsgeschichte,
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