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der Franzosen im Juni dieses Jahres, dem die Republik nur ganz
unzulängliche Streitkräfte entgegenwerfen konnte, veranlaßte hier
einen vollständigen finanziellen Zusammenbruch!). Wohl war Geld
genug im Lande, doch sperrte der schnelle Verlust großer Gebiete
die Einkünfte; die Grundsteuer blieb ganz aus; Handel und Ver-
kehr stockten. Man half sich durch Beschlagnahme der Guthaben
der Ostindischen Kompanie in der Middelburger und Rotterdamer
Bank; das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein?). Dann ver-
suchte man mit der Ausgabe von Leibrenten, die zu sehr vorteil-
haften Bedingungen erfolgte, sich Geld zu verschaffen; das darauf
eingehende ungemünzte Gold und Silber konnte aber nicht so
schnell zu barem Gelde gemacht werden, das man zur Besoldung
der Truppen dringend brauchte®). Der Vorschlag einer klassifizierten
Einkommensteuer erfuhr sofort allgemeinen Widerspruch, ein in-
teressantes Beispiel dafür, daß man sogar in schwerer Notlage sich
an theoretischen Bedenken stieß. So blieb zur Bestreitung der un-
geheuren Ausgaben nur der Kredit übrig, mit dem man nicht nur
daheim die Bedürfnisse decken, sondern namentlich auch die so
notwendigen Bundesgenossen befriedigen mußte; allein für die
letzteren bedurfte man monatlich 10 Millionen Rtlr. Dieser Kredit
war aber nur im Inlande zu finden; mit England stand man im
Krieg; von den Hansestädten und den italienischen Städten war
nur zu unerschwinglichen Zinsen Geld zu erwarten. Die Republik
gab nun Schuldscheine aus, die freilich großen Kursschwankungen
unterlagen und zunächst nur sehr ger'ngen Wert hatten, da die all-
gemeine Panik erst überwunden werden mußte. Dem Kredit kam
dabei äußerst zustatten die feste Haltung Amsterdams, das von
einem demütigenden Frieden nichts wissen wollte und seine Hoff-
nung auf das eigene Land wie auf die Verbündeten, den Kaiser
und Brandenburg, setzte*). Gegenüber den riesigen Geldforderungen
Englands und Frankreichs für den Friedensschluß, 30 Millionen fl.
1) Großmann, S. ııff.; im allgemeinen Blok, Geschiedenis van h. ned.
Volk, V, 272.
23) Klerk de Reus, 6.275:
3) Über die in der Provinz Holland damals ausgeschriebene ‚,Kapitale lee-
ning‘“ und ihre Ergebnisse vgl. van Dillen, Bronnen, S. 155ff.; die Abrechnung
SU
A 1) Großmann, S. 21 ff.; auch weiterhin benutzt; ferner P. L. Muller,
Nederl. eerste betrekkingen met Oostenrijk, S. 47 ff.
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