Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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Gebiet noch immer in trostloser wirtschaftlicher Lage. Während 
Städte wie Nymwegen und Doesburg sich mit dem König ver- 
söhnten, lag der Rheinhandel völlig still, und Hungersnot, Wassers- 
not und Pest suchten das Land heim!). Selbst in den vom Feinde 
völlig freien Gebieten Hollands und Seelands herrschten traurige 
Zustände, sowohl für den Handel wie für die Landwirtschaft. 
Schon seit Beginn des Aufstandes spürte Amsterdam den 
Rückgang seines Ostseehandels, die natürliche Folge der erschwerten 
Handelsbeziehungen zu Spanien-Portugal, von denen der Ostsee- 
handel in hohem Grade abhängig war; empfindliche Verluste der 
Schiffahrt machten sich bemerkbar; im Jahre 1569 war die 
Handelsflotte der Stadt im Verkehr mit der Ostsee von 250 auf 150 
Schiffe gesunken. Viele Kaufleute verließen die Stadt und retteten 
sich in die weniger gefährdeten nordholländischen Städte Hoorn 
und Enckhuizen?) Im Laufe der 1580er Jahre trat dann allmählich 
eine Besserung ein; Holland und Seeland konnten sich nun dem 
auswärtigen Seeverkehr wieder hingeben. Erleichtert wurde dieser 
dadurch, daß schon seit 1572 zuerst die seeländischen Geusen, dann 
Holland den Seefahrern gegen Lizenzen die Fahrt nach den feind- 
lichen Gebieten, den südlichen Niederlanden und Spanien-Portu- 
gal, gestattet hatten. Eine im Jahre 1581 festgestellte Liste ent- 
hielt genaue Angaben über die Höhe dieser Abgaben; es war dies 
die Grundlage der mehrere Jahrhunderte lang bestehenden Con- 
voyen und Lizenten?). War auch der spanischen Regierung diese 
Duldung der holländisch-seeländischen Schiffahrt höchst uner- 
freulich, da sie den Aufständischen erhebliche Geldmittel in die 
Hände gab, so sah sie sich doch zunächst nicht imstande, jene 
Fahrt zu hindern, da Spanien-Portugal die holländischen und see- 
ländischen Schiffe und ihre Getreidezufuhren ebensowenig ent- 
behren konnten, wie die durch sie geschaffene Möglichkeit, den 
ost- und westindischen Erzeugnissen den so nötigen Abfluß nach 
dem Norden und Osten zu gewähren“). 
Für die holländischen und seeländischen Seestädte aber war 
dieser geduldete Verkehr um so bedeutsamer, als nun mit der Be- 
3) Blok, a. a. ©, Sizo2f 
2) Blok, a. a. ©: S.304. 
3) Vgl. hierüber Näheres oben S. 176 ff. 
4 Blok, S. 3o5; Hagedorn II, S.193; Verviers, S. 97,
	        
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