Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

wohl zweifellos. Der Handel der Niederländer lag 1584—1589 stark 
darnieder, so sehr er sich auch durch Schmuggel zu helfen wußte‘). 
Aus den Schriftstücken eines Kamper Handlungshauses, das nament- 
lich den Warenverkehr zwischen Lissabon über Holland nach der 
Ostsee und vice versa betrieb, ersieht man deutlich die großen 
Schwierigkeiten, mit denen dieser Verkehr damals zu kämpfen 
hatte. Mehr und mehr wandte er sich in diesen Jahren den Hanse- 
und Ostseestädten zu; diese gewannen auf Kosten der Nieder- 
länder und führten den Spaniern und Portugiesen nun direkt die 
dort sehnlichst erwünschten Getreideladungen zu?). 
Eine wesentliche Erleichterung brachte den Holländern das 
Jahr 1588; den Wendepunkt bildete der Untergang der Armada. 
Nun wurde nur noch die Sperre gegen Groningen und die nördlichen 
Gebiete, 1590 auch gegen Westfalen scharf beobachtet; das waren 
Zufuhrsperren, an denen Amsterdam, das in solchen Dingen schon 
damals oft die entscheidende Stimme hatte, wenig interessiert war 
und die es deshalb duldete. Erst mit dem Fall von Groningen 
1594 milderten sich in diesen Gegenden die Sperrmaßregeln, nach- 
dem schon 1591 durch die Eroberung von Zutphen und Deventer 
eine Erleichterung auch der wirtschaftlichen Lage dieser Gebiete 
eingetreten war’). 
Wir haben hier einer Erscheinung zu gedenken, der im hollän- 
dischen Wirtschaftsleben dieser und noch späterer Zeit eine große 
Bedeutung zufiel. Das war das enge Verhältnis, in das die Niederlande 
durch die Niederlassungen Fremder auf dem 
Boden des eigenen Landes zu der Wirtschaft 
des Auslandes gerieten. Bemerkenswert ist es, daß zu 
einer Zeit, da die Niederländer überall in fremde Wirtschaftsgebiete 
einbrachen — wir werden das unten zu betrachten haben —, sie sich 
doch daheim nicht befreien konnten von den Fesseln gewisser von 
auswärts in das eigene Gebiet eindringender Wirtschaftsorganisa- 
tionen, Allerdings empfanden sie diese nicht als Last, sondern als 
Wohltat, trotz der vielen mit ihnen verknüpften Mißhelligkeiten. 
Insbesondere kommt hier in Betracht die Niederlassun g 
der Engländer. Bereits im 14. Jahrhundert hatten die Eng- 
” Hagedorn, MM, 1556171. 
*) Nanninga-Uitterdijk, a. a. O. 
9) Hagedorn, II, 184, 206, 198. 
Baasch, Holländische Wirtschaftsgeschichte. 
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