mit aller Rücksichtslosigkeit eines in seinem Geschäft geschädigten
Konkurrenten!). Bei aller Ehrerbietung, die der Senat und die
Kaufmannschaft der mächtigen, befreundeten und verbündeten
Republik entgegenbrachten, häufte sich deshalb im Laufe des Jahr-
hunderts in Hamburg eine wenig günstige Stimmung gegen die
Niederlande an; im Gegensatz zum Rheingebiet,
woman das holländische Übergewicht als
einenatürliche Schickung willig trug, suchte
man sich an der Elbe der Vorherrschaft der
Niederländer möglichst zulentziehen; und je
mehr diese im 18. Jahrhundert an politischer Bedeutung verloren,
um so mehr wuchs in Hamburg das Streben, sich auch wirtschaft-
lich von der Bevormundung zu befreien, die der Stadt das frühere
Verhältnis zwangsweise auferlegt hatte; die steigendeBlüte
Hamburgs stand imlumgekehrten Verhältnis
zu dem Absteigen der Niederlande. Doch hatten
diese zu allen Zeiten ein lebhaftes Interesse an dem Wohlergehen
und der Sicherheit des hamburgischen Hafens. Er bildete für die
niederländische Ausfuhr stets einen überaus wichtigen Platz, dessen
Bedeutung wuchs in den Zeiten, da die kriegerischen Verwicklungen
die Ostgrenze der Niederlande sperrten und sie hauptsächlich auf
den Seeverkehr und die See-Zu- und -Abfuhr angewiesen waren.
Die Tatsache, daß 1665 von 382 hamburgischen Kaufleuten 172
mit den Niederlanden in Kompanie- oder Kommissionsgeschäft
standen, sprach für die hohe Bedeutung des niederländischen Handels
für Hamburg und umgekehrt?). Andererseits wurde für den Wett-
streit zwischen Holland und England Hamburg ein beliebtes Feld,
auf dem die wirtschaftlichen Interessengegensätze ihren Austrag
fanden, so im Heringshandel3).
1) Mit diesem Verhalten der Niederländer stimmte auch überein ihre Ab-
neigung, die Hamburger bei ihren Bestrebungen, mit den Barbaresken in friedliche
Verhältnisse zu kommen, zu unterstützen; der Holländer de la Court drückte
das 1662 dahin aus, man müsse den Hamburgern den Dorn der türkischen See«
räuber im Fuß lassen (Baasch, Convoyschiffahrt, Si 15).
2?) Über die Konkurrenz, die Hamburg Amsterdam namentlich im Getreide-
handel machte, vgl. die Denkschrift von Phoonsen (1682) bei van Dillen,
Eenige Stukken, S. 225 ff.
3) Vgl. Baasch, Hamburger Heringshandel, S. 78 ff.
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