landen verfochtene Grundsatz „frei Schiff, frei Gut“ von England
stets bestritten.
Beherrschten also in der Mitte des 17. Jahrhunderts die Nieder-
lande das Meer, so war ihnen dieser Vorzug doch nur zugefallen durch
die augenblickliche Schwäche ihres jetzt gefährlichsten maritimen
Gegners, Englands. Sieht man aber davon ab, dann war es wohl
in gewissem Sinne richtig, wenn ein Zeitgenosse das Jahr
1649 als den Höhepunkt der niederländischen
Handelsgröße bezeichnet hat!). Allerdings ist nachher noch
nicht ein allgemeiner Rückgang eingetreten; Johann de
Witt schätzte 1669 die Zunahme des holländischen Handels und
der Schiffahrt in den letzten 20 Jahren auf 50%?). Aber auch
wenn die Statistik jener Zeit noch so mangelhaft und unzuverlässig
ist, so darf keineswegs verkannt werden, daß die Zeit nach 1649 den
Niederlanden so empfindliche Schläge politischer und wirtschaft-
licher Art zugefügt hat, daß mindestens ein Stillstand in der wirt-
schaftlichen Aufwärtsentwicklung nicht zu leugnen war. Und dieser
Stillstand war in erster Linie dem nun offen zum Ausbruch kom-
menden politischen und wirtschaftlichen Zusammenstoß mit Eng-
land zuzuschreiben.
Was das englische Königtum, belastet mit inneren Schwierig-
keiten und dynastischen Verträgen und Rücksichten, nicht hatte
erreichen können, das suchte nun die junge englische Republik
durchzusetzen. Aus dem englisch-französischen Seekrieg, der 1651
ausbrach, zogen die Niederlande als Neutrale allerdings viele wirt-
schaftliche Vorteile®). Als dann aber England noch in demselben
Jahre auch die französischen Güter in neutralen Schiffen als gute
Prise erklärte und diese Maßregel offen und unverhohlen als gegen
die Niederlande gerichtet zugab, als zahlreiche niederländische
Schiffe untersucht und aufgebracht wurden, da wurde den Nieder-
ländern endlich klar, daß die Stunde geschlagen habe, da man mit
den Engländern über die Herrschaft zur See zur Abrechnung kom-
men mußte, und daß man zu kämpfen hatte um den Besitz einer
Errungenschaft, die in dem damaligen Umfang zu Lande und zu
ll Temple bei Macpherson, Annals of Commerce, II, S. 439 f.
2 -Macpherson, 11,15.:538.
®) Elias, Voorspel, I, S. 172 f., vgl.auch Diferee, Die ökonom. Ver-
wicklungen, S. 166 ff.
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