dern, in Venedig Industrien anzulegen, scheint wenig geworden zu
sein‘).
Doch fanden die Niederländer auch sonst noch ein weites
Arbeitsfeld für ihre wirtschaftliche Ausdehnung. Selbst die Vene-
tianer waren zum Teil auf sie angewiesen, da sie ihnen die Er-
zeugnisse des Nordens zuführten. Insbesondere Süditalien
wurde seit dem Abschluß des Waffenstillstandes mit Spanien das
Ziel mancher Handelsunternehmung der Niederländer. Neapel
war von der Getreidezufuhr der letzteren abhängig. Andererseits
bildeten die römischen Alaunlager eine starke An-
ziehungskraft für die Niederländer. Auch mit den provencalischen
Häfen Marseille und Toulon knüpften sie an; doch trieb
die engherzige französische Handelspolitik den Verkehr nach Livorno.
Als dann 1621 der Krieg mit Spanien wieder ausbrach, war zwar
der Verkehr etwas gehindert; verdrängen ließen sich die Nieder-
länder aber nicht mehr aus diesen Gewässern. Der Schleichhandel
führte große Mengen nordischer und holländischer Produkte nach
Spanien; selbst Kriegsmaterialien führten die Amsterdamer diesem
Lande zu?3).
Weniger gut unterrichtet sind wir über den niederländischen
Handelsverkehr im östlichen Mittelmeer. Besonders
Aleppoi/ und Alexandrette sahen. in der ersten Hälfte
des 17. Jahrhunderts einen regen niederländischen Schiffsverkehr.
Er nahm ab mit 1617 infolge des persisch-türkischen Krieges und
des Vordringens der niederländisch-ostindischen Kompanie in den
Persischen Golf und in das Rote Meer?). Sowohl in Aleppo wie in
Cypern hatte der niederländische Handel mit der willkürlichen Er-
hebung der türkischen Zölle zu kämpfen. In der Mitte des Jahr-
hunderts wuchs die Bedeutung Smyrnas für die Niederländer,
denen es gelang, hier allmählich die Franzosen aus ihrer Vorherr-
1l) So wünschten 1635 Holländer in Venedig eine Ölfabrik (für Herstellung
von Seifen usw.) zu errichten (Heeringa,‚, Bronnen, I, ı, S. 82 f.). Noch 1717
war die Rede von Sendungen holländischer Waren nach Fiume und anderen Häfen
jener Gegend, und daß Venedig diese Sendungen an sich zu ziehen wünschte (Blok,
Rel. Venet.; S. 376 Anm: 1.)
2? Wätjen, S. ı25ff. Während des spanischen Erbfolgekrieges, insbe-
sondere seit 1706, gingen große Mengen Getreide von Holland auf dem Seewege
nach Piemont (Sombart, Studien, II, 141).
3) Wätjijen;, S. 134 H., 146:
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