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des Handels mit Zucker, später mit Farbhölzern, überhaupt mit einem
großen Teil überseeischer und tropischer Erzeugnisse namentlich in
Amsterdam ; diesem fiel der Löwenanteil an dem neu errungenen
Besitz zu; es wurde jetzt ein wirklicher Weltmarkt. Das war aller-
dings ein Erfolg, der wohl die großen Opfer, die besonders in den ersten
Zeiten mit diesen Unternehmungen verbunden waren, wert war.
Wenn die Entwicklung der amerikanischen Fahrten und Nieder-
lassungen auch schließlich den Opfern nicht entsprach, die man
für sie aufgewandt hatte, so lag das weniger an der Natur des wirt-
schaftlichen Problems, das hier zu lösen war, als an dem völligen
Versagen der Organisation, dem Mangel an materiellen Mitteln, der
geringen Unterstützung durch das Mutterland und an der irrigen
Auffassung, die man von Ländern hatte, deren Kulturzustände
sich zunächst nicht für den Absatz europäischer Produkte eigneten,
sondern lediglich tropischen Pflanzungskolonien als Grundlage
dienen konnten.
So unverkennbar der Expansionscharakter ist, der sowohl den
Unternehmungen nach Rußland und dem Mittelländischen Meer
als auch den Fahrten nach den überseeischen Gebieten eigentümlich
ist, so unterschieden sich beide doch voneinander insofern erheblich,
als erstere rein friedlichen Ursprungs waren, vielfach auf vertrag-
licher Grundlage beruhten und sich im ruhigen Wettbewerb mit
anderen Völkern vollzogen. Die Fahrten nach Ost- und Westindien
aber waren Eroberungsfahrten, die bewußt fremder Herrschaft unter-
worfene Gebiete mindestens wirtschaftlich zu behaupten beabsich-
tigten; sie sind der Ausgangspunkt für die Eröffnung eines ganz
neuen wirtschaftlichen Schauplatzes für die Niederländer geworden,
die hier zuerst, was sie bei jenen anderen Unternehmungen nur
sehr unvollständig erreichen konnten, ein unbeschränktes Monopol
für ihren Handel erstrebten und auch erzielten. Das konnte nur
geschehen in dem Rahmen der Kolonialwirtschaft, die bei allen
Kolonialvölkern jener Zeit mit einem nationalen Monopol ver-
bunden war.
Immer schärfer trat, seitdem die Niederlande in den Kreis der
selbständigen Staaten getreten waren, die Abhängigkeit ihres Wirt-
schaftslebens von der Politik der anderen Staaten zutage; immer
klarer arbeiteten sich die handelspolitischen Grundzüge