etwa 23/,°/, des Wertes bezahlte; das war ein Zugeständnis an den
lebhaften Handel mit Leinwand nach Spanien und Portugal!). In
diesem Falle war also die einheimische Industrie zugunsten des
Handels benachteiligt. Trotzdem waren die Unkosten bei der Ver-
sendung der feineren schlesischen Leinwand so hoch, daß Amsterdam
mit Hamburg nicht konkurrieren konnte. Inkonsequent und für
die Industrie hinderlich war ebenso die hohe Einfuhrbelastung für
fremde Werkzeuge und Maschinen. Wie man Ende des 17. Jahr-
hunderts auch für die Landwirtschaft mehr und mehr von fiskali-
schen Zöllen zu Schutzzöllen überging und sowohl die eigentliche
Getreideproduktion wie die Viehzucht und ihre Erzeugnisse zu
schützen suchte, sahen wir oben.
Ein festes, handelspolitisches Prinzip ließen alle diese Ver-
änderungen in der Liste der Convoyen und Lizenten, die ja den
Zolltarif darstellten, im 17. Jahrhundert vermissen. Von einem
„Merkantilismus“, wie "ihn! andere Mächte
pflegten, einem bewußten und konsequent
durchgeführten System des Schutzes der na-
tionalen Arbeit, war nicht die Rede; und man
muß sich hüten, für die Niederlande diesen
Ausdruck zu gebrauchen?). Wohl gab es auch hier eine
Reihe von Schriftstellern, die mächtig in das merkantilistische Horn
bliesen?), aber man war selbst in der Theorie weit entfernt von den
Konsequenzen des Protektionismus, wie er sich z. B. in Frankreich
zeigte. In den Niederlanden war von vornherein der Einfluß ‚der
Handelskreise viel zu stark, als daß ein einseitiger Merkantilismus
praktisch viel Boden gewinnen konnte. Das meiste, was in dieser
Hinsicht geschah, fand seinen Ausdruck in der Form von Abwehr-
maßregeln.
Zu einer systematischen Umarbeitung des Tarifs konnte man
sich daher nicht entschließen‘). Eine entschiedenere handelspoli-
) Verviers, S. 1081.
?) Das betont scharf Laspeyres, S. ı34f.
®) Vel. Laspeyres- 4S.1119, Anm. 445; 136, 156f.
4) Vgl. Pringsheim, S. 37, wo er mehrfach von. „Principien‘‘ in der
niederländischen Zoll- und Tarifpolitik des 17. Jahrhunderts spricht, während
solche ‚,Principien‘“ kaum bestanden haben. Ebenda, S. 90 ff. über die geplante
Zollreform von 1683. Über die vorübergehende Erhöhung des Tarifs (seit 1651)
um ein Drittel („‚„Derde verhooging‘“) Sickenga,‚, Bijdrage, S. 133 f.
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