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Konfusion in den Büchern der Kompanie. Als diese zusammenbrach,
war der Zustand des indischen Münzwesens hoffnungslos und zwar
nun nicht infolge des Kupfers, sondern infolge des Papiergeldes,
das seit 1782 in Indien, um dem Mangel an Umlaufsmitteln zu
steuern, eingeführt war, zuerst in größeren, dann auch in kleineren
Nennbeträgen. Es unterlag alsbald umfassenden Fälschungen und
verlor völlig das Vertrauen. Das Agio zwischen Metall und Papier-
geld stieg 1806 bis zu 90%.
Als nach der politischen Umwälzung die Kompanie
aufgelöst wurde (1798), schieden damit die Nieder-
Yande als astiatischeHandelsmacht/ vorläufig
aus. Private Handlungshäuser, die das Unternehmen fortsetzen
konnten, gab es nicht; in Ostasien bestanden keine nennenswerten
Kapitalien außerhalb der Kompanie!). Die Besitzungen wurden
eine leichte Beute der Feinde. Eine ebenso leichte Beute wurde
die Kompanie, die mit ihren Aktiven und Passiven dem Staat zu-
fiel, der mit etwa Io Mill. fl. Rechte an Grundbesitz, Schiffen usw.
bezahlte, die weit mehr als 100 Mill. fl. wert waren. Es war der
jämmerliche Abschluß einer Wirtschaftsmacht, die Holland reich
gemacht, ihm durch 200 Jahre die wertvollsten Schätze Indiens
und Ostasiens zugeführt, ihm das Monopol in diesen Waren ge-
sichert, seiner Schiffahrt eine unschätzbare Ausdehnung verliehen
hatte?). Diese Gesellschaft ging zugrunde an der Gebrechlichkeit
ihrer Form, an der Immoralität ihrer Geschäftsführung, an der
stets schädlichen Verbindung einer Kaufmannsoligarchie mit einer
Landesherrschaft, noch dazu über ein hilfloses Sklavenvolk, end-
lich an dem Mangel an wirklicher Macht®). Im kleinen war
die Kompanie ein Abbild, eine Wiederholung
der Republik selbst; beide waren am Ende
neineGeld- und Wirtschafitsmächteund mußten
an den solchen Gemeinwesen anhaftenden
Mängeln zugrunde gehen. Die Schöpfung der Ost-
indischen Kompanie war an sich eine geniale Leistung; wirtschafts-
politisch machte sie dem Geiste der damaligen niederländischen
ll Mansvelt, S. 110.
2) Vgl. auch Franck, Nied. Indien eine Finanzquelle, S. 474 ff.
3) Das Kap und Ceylon wurden während des englischen Krieges nur durch
französische Besetzung vor der Wegnahme durch die Engländer bewahrt.
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