pen erreichte endlich mach zweihundertjäh-
Tiger Abschließung den freien Zugang zum
Meere. Dies Ereignis bedrohte schon seit längerer Zeit die Nieder-
lande. Seit dem Regierungsantriıtt Kaiser Josefs II. in den
österreichischen Erbländern betrieb dieser im Widerspruch mit dem
klaren Wortlaut des Westfälischen Friedensvertrages die Befreiung
der Schelde; er war darüber mit den Niederlanden bereits 1783
und 1784 in einen Konflikt geraten, der fast zu einem Kriege geführt
hatte; nur durch die Vermittlung Frankreichs wurde er vermieden‘).
Wenn aber der ehrgeizige Monarch damals vor den ‚„,unverschämten
Käsehändlern‘‘?) hatte zurückweichen müssen, so verließ doch
die Niederlande, namentlich Amsterdam, nicht die Sorge, daß
jenes Ereignis einmal eintreten möchte. Allerdings war der Wert
Antwerpens durch das Aufblühen Ostendes, das, seitdem die südlichen
Niederlande im Utrechter Frieden an Österreich gefallen waren, von
dieser Regierung stark begünstigt wurde, zurückgedrängt worden;
waren auch die früheren Versuche, von Ostende aus über-
seeische Unternehmungen in größerem Stile zu betreiben, an dem
Widerspruch der Niederlande und Englands gescheitert?), so hatte
doch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und besonders wäh-
rend des amerikanischen Krieges Ostende sich wieder kräftig ent-
wickelt‘). Und als nun wirklich 1795 die lange gefürchtete Befreiung
der Schelde Tatsache wurde®), wirkte sie zunächst um so weniger
erschütternd auf die in erster Linie durch sie betroffenen Städte
Amsterdam und Rotterdam, als jenes Ereignis zusammenfiel mit
einem völligen Niedergang des gesamten Schiffahrts- und Handels-
I) Magnette, S. 6odf.
?) Ebenda, S. 139.
3) Vgl. Huisman, La Belgique commerciale.
4 Volkmann, S. 75; Waentig, S. 135. Insbesondere empfand man
in der Republik den Verlust der Durchfuhr längs der Schelde, Maas usw. nach dem
Süden und Südosten (Kluit, Jets, S. 335 f£.).
5) Schon 1793 hatte Gleim die bevorstehende Befreiung der Schelde
in seinem Gedicht ‚An Amsterdam“‘ besungen:
Der Weg zu dir und deinem Gelde
Geht über die verschlossene Schelde!
„Hinweg dies Schloß, Hollandia‘‘,
Sagt eine Frankin „Ich bin da‘ usw.
(Vater Gleims Zeitgedichte von 1789—180o3, herausg. v. Körte, 1841, 5. 27 0)
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