IN. Kapitel.
Stillstand und Wiederaufbau unter dem
Königreich der Niederlande.
Das Jahr 1814 bezeichnetlin erster Linie den Beginn einer
neuen Entwicklungsreihe im politischen Leben der Nieder-
lande: die Errichtung der erblichen Monarchie, die sich klug an
die seit 1795 geschaffenen Verhältnisse anschloß, bildete das ent-
scheidende Merkmal dieses Abschnittes. Auch wirtschaft-
lich ist aber die Begründung des neuen Königreichs von gewisser
Bedeutung. Wichtig für das Wirtschaftsleben der nördlichen Nieder-
lande war zunächst die Vereinigung mit Belgien; sie
schuf ein größeres Wirtschaftsgebiet. Doch hat während der
16jährigen Verbindung niemals sich ein völliger wirtschaftlicher
Ausgleich zwischen beiden, so lange getrennten und sich durch
ihre soziale und kulturelle Struktur scharf unterscheidenden Ländern
vollzogen. Den größten Gewinn zogen aus der Vereinigung die
südlichen Niederlande, deren Industrie weiter vorgeschritten war
und die nun an dem Genuß der Vorteile, die der holländische Kolonial-
besitz darbot, teilnehmen konnten. Andere für das Wirtschafts-
leben der nördlichen Niederlande bedeutsame Neuerungen waren
die jetzt eintretende straffere Zentralisation der Ver-
waltung, die von nun ab Sich in den Ministerien und den
Generalstaaten konzentrierte und endlich den €Einheitsstaat zur
Verwirklichung brachte; die Vorteile dieser Zentralisation sind so-
wohl dem Handel, wie dem Verkehrswesen als auch der Landwirt-
schaft zugute gekommen; ferner die Zentralisierung der
Finanzen, die zwar schon seit Ende des 18. Jahrhunderts
geplant und vorbereitet war, jetzt aber endgültig durchgeführt wurde;
endlich die. Übernahme der Kolonien durch den
Staat. Überschätzen darf man freilich die Wirkungen aller