Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

— 4All — 
dieser Neuerungen auf das Wirtschaftsleben nicht. Bei dem Indi- 
vidualismus der Holländer und der großen Schwerfälligkeit des 
Verwaltungsapparates machten sich überall noch die zentrifugalen 
Kräfte bemerkbar; und in den freien Erwerbszweigen, wie sie der 
Handel und die Schiffahrt waren, ist der Einfluß der staatlichen 
Neuordnung zunächst ziemlich gering gewesen; er wäre noch ge- 
ringer gewesen, wenn man nicht schon bald in dem Staat eine 
Stütze für wirtschaftliche Notlagen erblickt und gefunden hätte. 
Erst als 1848 an Stelle der noch ziemlich oligarchisch ge- 
haltenen, dem Monarchen eine große Machtvollkommenheit ein- 
räumenden Verfassung von 1814!) eine Konstitution trat, die dem 
Volke eine weit umfassendere Mitwirkung im Parlament sicherte, 
spürte man bald im Wirtschaftsleben die wohltätigen Folgen einer 
gemäßigt liberalen Regierungskunst und die Befreiung von den 
früher sich geltend machenden unverantwortlichen Einflüssen und 
Eingriffen. Insbesondere im Finanz- und im Verkehrswesen, aber 
auch in der Handelspolitik werden wir diesen sichtbaren Um- 
schwung erkennen. 
Je weniger die Niederlande jetzt in der Lage waren, eine 
Machtpolitik wie einst im 17. Jahrhundert zu verfolgen, um so 
mehr tritt der wirtschaftliche Charakter ihrer Außenpolitik zutage. 
Und wenn den Niederlanden auch nicht mehr, wie in jenen älteren 
Zeiten, das Zeugnis einer besonders erfolgreichen und geschickten 
Handelsvertragspolitik erteilt werden kann?) — dazu fehlte es u. a. 
an der machtpolitischen Unterlage —, so hat doch das Land es 
verstanden, sich durch seine Handelsverträge eine sichere Basis 
für den Außenhandel zu schaffen. 
In den natürlichen Verhältnissen des Landes veränderte sich 
im 19. Jahrhundert wenig. Die Ausbeute der Kohlen in Limburg, 
an die man seit den 1870er Jahren ging, und die Verwertung der 
vorhandenen Eisenerze haben den wirtschaftlichen Charakter des 
Landes kaum gewandelt?). Was sonst erfolgte, um dem Lande eine 
*) Vgl. Blok, Geschiedenis, v. h. ned. Volk, VII; S. 324 Gosses 
und Japikse, S.484f: vi Treitschke,. S. 542. 
*) Vgl. das anerkennende Urteil Davenants in Works, 1; 449. 
3) Vgl. Blink, Nederland; HI, S. 465 ff.; im Jahre 1913 waren 7 Kohlen- 
gruben vorhanden, die insgesamt ı 873 079 Tonnen Steinkohlen im Wert von etwa 
14% Mill. fl. förderten (Jaarcijfers, 1913, S. 179). Über den neuesten Stand des 
holl. Kohlenbergbaues vgl. Jahn, S..ı65 {If 
De
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.