größere Geltung in der Weltwirtschaft zu schaffen, geschah durch
künstliche Mittel, durch Verbesserung der Verkehrsverhältnisse,
der landwirtschaftlichen Produktion usw. Die Bevölkerung wer-
mehrte sich in einem Verhältnis, das im Vergleich mit anderen
Ländern nicht außergewöhnlich war, und wuchs von 2613487 im
Jahre 1830 auf 5 858 175 im Jahre 1909. Durchschnittlich betrug
auf 1000 Einwohner die Bevölkerungszunahme 1800—10910: 09,2?).
$ 1. Handel und Handelspolitik,
Der Übergang zum Freihandel.
Zu den schwersten Aufgaben, vor die sich eine niederländische
Regierung jemals gestellt sah, gehörte der Wiederaufbau
nach der französischen Zeit; er setzte im Herbst 1813 ein. Die
Schwierigkeit stieg noch, als die Vereinigung der vor-
mals österreichischen Niederlande mit den
nördlichen erfolgte und damit ein Wirtschaftskörper geschaffen
wurde, dessen Schwergewicht allerdings bedeutend stärker war,
als dasjenige der beiden getrennten Einzelländer, der aber anderer-
seits durch seine inneren Gegensätze von vornherein zu Kompro-
missen herausforderte. Diese Gegensätze bestanden hauptsächlich
in dem Übergewicht der Industrie in Belgien, dem von Handel,
Schiffahrt und Landwirtschaft in den Niederlanden. In den
zT6 Jahren, in denen dasungetellte Königreich
bestanden hat, sind diese Gegensätze nie aus-
geglichen worden; sie spiegelten sich ab in den Schwan-
kungen der Wirtschaftspolitik des Gesamtstaates. Besser wäre es
vielleicht gewesen, man hätte nicht eine einheitliche handels-
politische Gesetzgebung für die Gesamtmonarchie geschaffen, son-
dern Unterschiede in den Tarifen vorgenommen, die den so wenig
übereinstimmenden Interessen der seit langem getrennten Landes-
teile Rechnung getragen und die Seegebiete zunächst einmal kon-
kurrenzfähig gegen die deutschen Nordseestädte gemacht hätten‘).
ı) Haepke,a.a. O., S. 688 f.; die Niederlande standen in dieser Hinsicht
zwischen dem Deutschen Reiche mit 8,9 und Dänemark mit 10,0.
2) Colenbrander ,‚, Gedenkstukken, IX, S. 470 f. (Bericht vom 23. Ja-
nuar 1820).
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