Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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das Amsterdam schwer schädigen, zumal die Engländer sich seit 
der Napoleonischen Zeit in Surinam ziemlich festgesetzt hatten*). 
Ferner eröffneten gerade damals die veränderten Verhältnisse Süd- 
amerikas dem niederländischen Handel Möglichkeiten, denen gegen- 
über die Aussicht, in freien Verkehr mit Britisch-Westindien zu 
treten, wenig ins Gewicht fiel. Öffnete man aber auch Nieder- 
ländisch-Ostindien dem englischen Handel, so schien das dafür 
gebotene Äquivalent, der Handel mit Vorderindien, nicht gleich- 
wertig zu sein. Man empfand in den Niederlanden schon den Ver- 
lust der Salzfahrt vom Mittelländischen Meer sehr schmerzlich, 
nachdem man das englische Salz zugelassen hatte?). Gegenüber 
dem englischen Schiffahrtssystem, das die Einfuhr amerikanischer 
Erzeugnisse aus Holland nach England verbot, schien die hollän- 
dische Handelspolitik immer noch liberal. Die Rotterdamer Handels- 
kammer erhob deshalb entschieden ihre Stimme gegen Nachgiebig- 
keit; sie forderte die freie Beförderung aller Waren aus dem Mittel- 
ländischen Meer, der Levante und Ostsee nach England; so lange 
man hier den holländischen Schiffen nicht volle Gleichheit biete, 
dürfe man den englischen Schiffen nicht weitere Vorteile gewähren. 
Dringend gewarnt wurde vor einer Gleichstellung der beiderseitigen 
Schiffe im Verkehr mit Ostindien. Auch gegen die Gleichstellung 
der Fabrikwaren im gegenseitigen Verkehr bestand in Holland 
große Abneigung; die englischen Fabrikwaren standen in dem Ruf, 
alle anderen zu verdrängen; England beherrschte überall die Roh- 
stoffe; es war in der Technik weit vorangeschritten®). Andererseits 
lag Amsterdam viel daran, daß die Einfuhr der Baumwolle vom 
Festland nach England, die seit 1821 verboten war, wieder frei- 
gegeben, ebenso, daß das Verbot der Getreideeinfuhr in England 
beseitigt werde. Immer stärker wurde in Holland der Widerstand 
gegen eine Zulassung der Engländer im Verkehr mit Ostindien; 
nur gegen vollständige, unbeschränkte Gleichstellung der Nieder- 
länder im Verkehr nach und in den britischen Kolonien mit den 
Engländern schien jene Zulassung berechtigt zu sein. Schuf man 
den Holländern fremde Mitbewerber im Verkehr mit Surinam, SO 
mußten die Holländer auch mit Aussicht auf Erfolg Mitbewerber 
l) Vgl: hierzu Heeres, De afstand der Kaap de Goede Hoop., 5. 479: 
2?) Posthumus, a.23.10., Si2ı0, 
3 Posthumus, aa. 0. 5.237. 
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