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Portoermässigungen, die „gewisse Individuen“ forderten, und sagte, später
deutlicher werdend: von allen wüsten und phantastischen Plänen, die ihm
bekannt geworden, sei der Hillsche der aussergewöhnlichste („of all the
wild and visionary schemes which he had ever heard or read of, it was the
most extraordinary“). Er geriet immer in Erregung, sobald vom Penny
porto die Hede war, sagte der Premierminister Lord Melbourne im Ver
trauen zu Hill. Zur Wiedererzielung der alten Einnahme erschien ihm
eine Steigerung des Briefverkehrs um das 12 fache erforderlich.
Der zweite Beamte des G-eneralpostamts, Unterstaatssekretär (Secre-
tary) Oberst Maberly, war Hills Projekten nicht minder gründlich ab
geneigt. Vor der parlamentarischen Untersuchungskommission, die 63 mal
tagte und an die geladenen Zeugen etwa 12 000 Prägen richtete, erklärte
er, dass die Portosätze allerdings auch ihm zu hoch erschienen, und dass
seit Jahren schon jeder Generalpostmeister dieser Ansicht gewesen sei. Ein
Einheitsporto wäre ihm zwar sympathisch, aber er halte es für gar nicht
durchführbar (practicable). Er und andere vorgeladene Postbeamte zweifelten
auch an der Durchführbarkeit der Vorausbezahlung des Portos, und mit
dem Generalpostmeister glaubte er, dass das Publikum sie ablehnen würde.
Der Briefschmuggel, so äusserte er sehr treffend, könnte erst aufhören,
wenn die Taxsätze so niedrig seien, dass die Schmuggler nicht mehr er
heblich profitierten. Das wollte aber Hill auch nur. Die Stempelwertzeichen,
meinte Maberly, wären bei der grossen Anzahl von 9 verschiedenen Brief
klassen ganz undurchführbar, auch befürchtete man Fälschungen.
Die Vertreter der Postverwaltung hielten aber auch nichts von der
Brieftaxe nach Gewicht, statt nach einzelnen Briefbogen. Mit ihrer Emp
fehlung wäre Hill damals also nicht weit gekommen.
Der Superintendent der Postkutschen meinte, diese würden die
Briefverkehrssteigerung gar nicht bewältigen können. Die Postkommission
berechnete aber, dass sie nur zu einem Viertel ausgenutzt würden und noch
zu einer 24 fachen Briefsteigerung ausreichten.
Maberly ging so weit, zu erklären, schon bei der ersten Lektüre der
Hillschen Schrift sei ihm sein Plan völlig irrig und höchst närrisch (utterly
fallacious and most preposterous) vorgekommen, dazu ohne Stütze von Tat
sachen und bloss auf Vermutungen gegründet. Bei einer Portoherabsetzung
auf 1 Penny würden die Einnahmeverluste in 40 oder 50 Jahren nicht ge
deckt werden (revenue would not recover itself for fourty or fifty years).
Auch in der Presse gab es manche Gegner der Reform. In einem
Artikel der Quarterly Review wandte sich noch vor ihrer Einführung
ein gewisser Croker heftig gegen Hill und seine Anhänger, wies auf die
Pariser Stempelumschläge von 1653 hin, meinte, dass die Vorausfrankierung
allgemein für nichts weniger als bequem gehalten werde, und behauptete, dass
das Pennyporto — offenbar durch seine Billigkeit für jedermann — nur
Aufstände und Empörungen erleichtern würde (sedition made easy)
Als Rowland Hill dann für zwei Jahre vom Schatzamt engagiert
wurde, hatte er im Generalpostamt nicht bloss mit Anfeindungen, Wider
ständen und Neid zu kämpfen, sondern auch der Schatzkanzler Baring