schaftsbewegung hinter uns stehen. Geifall.) Es
kommt ferner nicht darauf an, daß wir gute Gesetze haben,
sondern auch darauf, daß die Gesetze nicht falschoder
bösartig ausgelegt werden.
Daß wir gegenwärtig einen Minister für soziale Ver—
waltung haben, der kaum fünf Prozent der Arbeiter und
Angestelltenschaft vertritt, ist eine politische Sache; aber man
sollte glauben, daß ein Mensch, der so losgelöst von der
Arbeiterklasse ist, wenigstens das Bedürfnis hätte, mit ihr in
Fühlung zu kommen und nicht den offenen Konflikt herauf—⸗
zubeschwören. Aber alles, was an Gehässigkeit gegen die Ar—
beiter möglich ist, wird von der Regierung getan. Das Arbeits—
losenversicherungsgesetz war im Jahre 1918 eine Tat, weil es
das erste Gesetz seiner Art war. Aus taktischen Gründen
mußten wir die sogenannte Bedürftigkeitsklausel in das Gesetz
aufnehmen, die nun den Arbeitslosen insofern zum Ver—
hängnis wird, daß jeder, der nur ein Bett, einen alten Kasten
oder einen Anzug hat, ganz unberechtigterweise vom Bezug der
Arbeitslosenunterstützung gestrichen wird. Ja man hat sogar
den Mut zu einem Erlaß, wonach die Arbeitslosenunter—
stützung aufhört, wenn ein Familienmitglied wöchentlich
220.000 Kr. verdient. Abgesehen von allem anderen, verstößt
ein solcher Erlaß gegen das Bürgerliche Gesetzbuch, wonach kein
Familienangehöriger verpflichtet ist, ein anderes Mitglied der
Familie, das sich sein Brot bereits verdienen kann, zu er—
halten. Man ging sogar so weit, Leute, die die Versicherung
gezahlt haben, wie die Jugendlichen, aus der Versicherung
hinauszuwerfen. Die ganze Versicherung wird auf den Kopf
gestellt. Die bürgerlichen Parteien erklären, da der Staat auch
Beiträge leistet, sei die Versicherungsbasis aufgehoben.
Seipel fährt wie ein schlechter Hausierer in gang
Osterreich von einer Versammlung in die andere und möchte
zu seinem Argument von der Stabilisierung der Krone auch
noch das andere Argument haben, er habe die Volkswirtschaft
ebenfalls saniert. Daher kann er es nicht brauchen, daß wir
heute noch immer fast 140.000 Arbeitslose haben. Durch dieses
automatische Hinauswerfen von Arbeitslosen aus der Ver⸗
sicherung will man die Statistik fälschen. Gu—
stimmung.) Die Fälschung der Statistik sollen die Arbeiter mit
Hunger und Elend bezahlen.
Man hat sich sogar an das Urlaubsgesetz herangewagt,
und mit dem Einsetzen der Kurzarbeit ist es einigen Unter—