Object: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

28 II. Die Haupttatsachen der älteren deutschen Agrargeschichte. 
Die annähernde Gleichheit der Besitverhältnisse kommt 
darin zu einem höchst greifbaren Ausdruck, daß das Ackerland 
im Eigentum der Gemeinde steht und an die einzelnen Ge- 
meindemitglieder (Haushalte) nur zur Nutzung periodisch ver- 
teilt wird. 
Das Gebiet einer Gemeinde bestand aus drei Teilen: dem 
Dorfbering (der Stätte von Haus und Hof), der Ackerflur und 
der gemeinen Mark oder Allmende. Die Gemeindemitglieder 
haben einen gleichmäßigen Anteil an diesen drei Stücken. Während 
aber Haus und Hof in ihrem Sondereigentum stehen, hat an 
der Ackerflur die Gemeinde das Eigentum und das Gemeinde- 
mitglied nur die periodisch zuerkannte Sondernußung. Dre 
gemeine Mark oder Allmende, welche Wald, Weide, Moore, 
Gewässer umfaßt, befindet sich nicht nur im Gemeineigentum 
der Gemeinde, sondern auch in ihrer mehr oder weniger ge- 
meinsamen Nugtung. 
Die Ackerflur eines Dorfs setzte sich aus einer Mehrzahl von 
Flächen, den technisch so genannten Gewannen (von „gewinnen“, 
d. h. für den Anbau gewinnen, urbar machen) zusammen. 
Grundsätzlich in jedem der Gewanne erhielt das Gemeinde- 
mitglied, wenn das Land neu verteilt wurde, durch das Los 
je einen Ackerstreifen. Nach Ablauf eines Zeitraums, der, 
wenigstens ursprünglich, zeitlich nicht fest bestimmt war, wurde 
das Ackerland wieder zusammengeworfen und in entsprechender 
Weise neu verteilt. Dadurch, daß jedes Gemeindemitglied in 
jedem Gewann einen Streifen erhielt, kam eine Gemengelage 
der Äcker zustande. 
In dem geschilderten Anteil des Gemeindemitglieds an den 
genannten drei Stücken, Haus und Hof, Ackerflur, Allmende, 
besteht das Wesen der Hufe. Sie ist von Haus aus kein äußer- 
liches Maß, sondern eben eine Gemeindeberechtigung. Darum 
konnte sie auch äußerlich von verschiedenem Umfang sein, etwa 
je nach der Ertragfähigkeit des Landes in der einen oder der 
andern Gemeinde. In der spätern Zeit, als die Hufe ein äußeres 
Maß geworden war, begegnet uns bemerkenswerterweise eine 
Ungleichheit der Hufengröße.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.