Mikroskopische Untersuchung. Weizen.
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Mutterkorn und Pilzsporen, Spreu, Flugkleie, Bart mit Haaren, Maden, Käfer,
Raupen, Mäusekot, ferner Getreidebruchkorn und die zahlreichen Unkrautsamen,
z. B. Kornrade, Wicken- und Knöterich-Arten, Wachtelweizen, Melde, Ackerhahnenfuß,
Taumellolch und sonstige Grassamen, Kornblume, Ackersenf, Ackersteinsamen
usw.; dazu kommen dann noch vielfach erdige Bestandteile und Kehricht. Wenn
der Ausputz bloß aus den gereinigten und gemahlenen Unkrautsamen bestände, so
würde gegen die Verwendung des Ausputzes zur Fütterung kaum etwas zu erinnern
sein; denn dieser Ausputz, auch Kleie-, Hühner- oder Wickenweizen bezw. Kitzkorn
genannt, kann unter Umständen ohne Schaden und sogar mit Vorteil verfüttert
werden. 1 ) Weil aber der Ausputz auch giftige — wenigstens wenn in größerer
Menge vorhanden, giftige — Unkrautsamen, ferner auch Mutterkorn, Brand- und
Pilzsporen zu enthalten pflegt, so muß der Zusatz solchen Ausputzes im großen
Umfange zu Kleie wie nicht minder die Verwendung des Ausputzes selbst oder der
damit versetzten Kleie als gleich verwerflich bezeichnet werden. Auch ist zu berücksichtigen,
daß kleine, nicht vermahlene Unkrautsamen auch dem Kauvorgang
sich entziehen, unzerkleinert in den Kot übergehen und damit zur abermaligen Verunkrautung
des Ackerlandes beitragen können.
Zu den Ungehörigkeiten vorstehender Art im Kleienhandel gesellen sich als
direkte Verfälsohu ngen verschiedene Zusätze von wertlosen fremden Abfällen, wie
gemahlenen Gersten-, Hafer-, Reis- und Hirsespelzen, Erbsen-, Bohnen-, Erdnuß-,
Kaffee- und Kakaoschalen, der Ausputz von Klee- und Leinsamen, Kartoffel-Pülpe
usw.
Der Weizen wird ferner auf Stärke und Bier verarbeitet. Bei der
Weizenstärke-Herstellung werden als Abfälle gewonnen: die W eizentreher (diese,
uns den Hülsen bestehend, werden aber nur gewonnen, wenn geschrotener, ganzer
Weizen und nicht wie üblich Weizenmehl verwendet wird), die Weizenschlempe,
frisch und getrocknet (aus proteinreichem Stärkeschlamm nebst Zellteilen bestehend)
und der Weizenkleber, welcher jetzt durchweg durch Trocknen und Pulvern für
menschliche Ernährungszwecke unter dem Namen Aleuronat, Roborin usw. wieder
nutzbar gemacht wird, teilweise auch zur Herstellung von Schusterleim dient. Die
bei der Herstellung von Weizenbier (Weißbier) gewonnenen Abfälle: Weizenmalztreber
und Weizenraalzkeime, haben eine ähnliche Zusammensetzung wie
die Gerstenahfälle dieser Art (siehe weiter unten).
Der Roggen dient außer zur Mehlgewinnung durchweg nur noch zur Branntweingewinnung
(Kornbranntwein, Dornkaat, Gilka, Whisky); die hierbei gewonnenen
Roggenbranntwein-Treber und -Schlempe haben eine gleiche Zusammensetzung
wie die Abfälle dieser Art bei Verarbeitung anderer stärkereicher
Rohstoffe und werden wie diese verwendet.
a) Makroskopische Untersuchung der Kleie. Die makroskopische
Untersuchung der Kleie kann nach F. Barnstein zweckmäßig wie folgt vor-Senommen
werden:
Ein abgewogener Teil der sorgfältig gemischten unvermahlenen Probe wird
Mittels des bekannten Nobbesehen Siebes zerlegt (Barnstein benutzt die Siebsätze
l ) 0. Hagemann hat (Landw. Jahrbücher 1903, 32, 929) z. B. nachgewiesen, daß
me Verfütterung von kornradehaltigem Futter — Kühe erhielten bis 2,5 kg reiner Korn-.
6 für 600 kg Leb.-Öew. und Tag, Schweine bis 60 % Kornrade in den Futtermischuugen
—, wie es in den regelrechten Müllereibetrieheu gewonnen wird, bei den Hausp®
ren keine Vergiftung heryorruft; indes können Milchkühe nach reichlicher Komradeutterung
Milch mit einem minderwertigen Fett von abnormer Beschaffenheit liefern.