Mikroskopische Untersuchung. Spelzweizen.
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wird in einem Porzellanmörser wiederholt und so lange mit Äther angeriehen und
ahgeschlämmt, Ms der Äther nur noch wenig durch Mehlteilchen getrübt abläuft.
Den Rückstand spült man aus der Eeibschale mit Äther in ein Bechergläschen,
gießt den Äther ab und untersucht eine Probe in Nelkenöl bei 100- bis 200-facher
Vergrößerung und voller Beleuchtung. (Bei stärkerer Vergrößerung ist die Färbung
nicht mehr sicher erkennbar.) Die Behandlung mit Äther hat den Zweck, störende
Stärkekörner fortzuschwemmen, eine wenigstens teilweise Trennung der einzelnen
Schichten herbeizuführen und die Luft aus den Zellen zu entfernen. Findet man
in einer Kleie gar keine blauen Äleuronzellen, so ist keine Eoggenkleie vorhanden;
die Masse besteht dann lediglich aus Weizenkleie. Beobachtet man aber blaue Aleuron-
zellen, so ist unzweifelhaft Eoggenkleie zugegen, falls nicht etwa Einkorn, Gerste,
blauer oder violetter Mais oder NegerMrse in Frage kommen. Sehr schwer und
unter Umständen fast unmöglich ist es, den Prozent-Gehalt einer Weizenkleie
an Eoggenkleie anzugehen oder zu ermitteln, ob eine Eoggenkleie frei von Weizen
kleie ist, weil jede Eoggensorte eben auch farblose Äleuronzellen führt und die
verschiedenen Sorten sich in bezug auf die Menge dieser Zellen verschieden ver
halten. Man kann nur feststellen, wieviel Eoggenkleie mindestens einer Weizenkleie
zugesetzt ist, indem man durch Zählen und Messen der ganz oder teilweise blau
gefärbten Fragmente der Äleuronschicht ihr Verhältnis zu den ganz farblosen
ermittelt. Nur wenn verhältnismäßig wenige blaue Äleuronzellen, dagegen sehr
viele völlig ungebläute Stückchen der AleuronscMcht angetroffen werden, ist auch
der Schluß auf Zusatz von Weizenkleie gerechtfertigt. Noch sei erwähnt, daß,
wenn man die mit Äther behandelte, in Nelkenöl befindliche Eoggenkleie auf einer
Glasplatte über weißer Unterlage ausbreitet, man nach Ben ecke schon makro
skopisch, besser mit der Lupe die blau gefärbten Fragmente der AleuronscMcht
huffinden kann. Der Unterschied tritt besonders auffallend hervor, wenn man eine
Glasplatte mit einer in gleicher Weise behandelten Weizenkleie daneben bringt.“
d) Viel Brandsporen in einer Kleie deuten auf Kleie von Weizen (auch
Mais, Gerste und Hafer) hin, weil diese sehr häufig von Brand befallen werden,
Roggen dagegen nur sehr selten. Umgekehrt zeigt das Vorkommen von Mutter
korn in der Kleie an, daß Eoggenkleie oder ein Gemisch von dieser mit Weizen
kleie vorliegt, weil Mutterkorn nur auf Roggen auftritt.
2. Uber die Beimengung der Abfälle von anderen Getreidearten oder
Gülsenfrüchten, Erdnuß-, Kakao-, Kaffeeschalen usw., sowie über die vor
handenen Unkrautsamen geben einerseits die Form der Stärkekörner, andererseits
hie Gewebselememte der Spelzen hezw. Schalen Aufschluß (vergl. die Abbildungen
Un d Ausführungen über diese weiter unten; ferner über die Erkennung einiger
Gnkrautsamen auf chemischem Wege S. 271).
Spelzweizen.
Der Spelzweizen, welchen drei Arten, den Spelt oder Dinkel (Triticum Spelta i.), Emmer
G-r. dicoccum) und Einkorn (Tr. monocoocum), umfaßt, unterscheidet sich dadurch vom
(aoktweizen, daß seine Ährchen von den Klappen so fest umschlossen sind, daß sie beim
reschen nicht herausfallen. Aus dem Grunde muß der Spelzweizen auch etwas anders
verarbeitet 1 ) werden, als der Nacktweizen. Das Korn wird auch hier zunächst geputzt,
ann von Klappen, Deck- und Vorspelzen befreit oder geschält (auch Gerben, die
uhlen „Gerbesteine“ genannt) und weiter auf Zyklonen hiervon und von den Unkrautsamen
e *reit. Der hierbei gewonnene Abfall heißt „Gerbstaub“ und dient als Gänsefutter. Die
l ) Vergl. P. Hauptfleisch, Landw. Versuchs-Stationen 1903, 58, 67.