% Der Freiheitskampf der Neger.
waren. Dies genügt zu beweisen, daß den Negern keinerlei Gerechtigkeit
widerfuhr. Kraft des gleichen Parlamentserlasses wurde ein Absonderungs-System
geschaffen, das schwer auf den Negern lastet. Die Neger wurden
aller Freiheit und Unabhängigkeit beraubt; denn nach zahlreichen Parlamentsverfügungen
dürfen sie ohne schriftliche Genehmigung des Magistrates
weder ihren Distrikt verlassen, noch ohne besondere Magistratserlaubnis —
bei Androhung von Gefängnis oder einer Geldbuße von L. 2,0,0 — Arbeit
bei einem neuen Brotherrn annehmen. Kein Neger darf in den Städten nach
9 Uhr im Freien angetroffen werden. Nach einer anderen Verfügung müssen
die Neger am äußersten Saum der Siedlungen in kleinen Katen wohnen oder
sich selbst ihre kleinen Blockhütten errichten, und monatlich eine bestimmte
Steuer an die Stadtgemeinde zahlen. In gewissen Fällen müssen sie eine
festgelegte Pachtsumme pro Monat entrichten.
Im Jahre 1914 entsandte der Kongreß eine Deputation nach London, um
jene Übelstände der britischen Regierung vorzutragen, nachdem sie von der
Kolonialverwaltung keinerlei Abhilfe erfahren hatten. Dieser Deputation ward
der Bescheid, daß die britische Regierung in Verwaltungsfragen einer selbstverwaltenden
Kolonie nicht eingreifen dürfe. 1919 entsandten die Neger eine
neue Deputation nach London, die aber mit dem gleichen Märchen abgespeist
wurde und daraufhin eine Agitation in England ins Werk setzte. Jedoch
scheiterte das Unternehmen völlig, und nur mit Hilfe einiger Freunde gelang
es ihnen, nach Südafrika zurückzukehren.
Ermutigt durch die britische Regierung brachte die südafrikanische Regierung
noch andere Parlamentsakte gegen die Farbigen durch, und noch
weitere Gebiete des Reservatlandes, in das die Neger zurückgedrängt waren.
wurden ihnen von der Regierung für Europäer entrissen. Ganze Scharen von
Negern wurden von den öffentlichen Arbeiten der Regierung ausgeschlossen,
um dafür armen und arbeitslosen Europäern Platz zu machen. Das Absperrungsgesetz
gegen Farbige reserviert alle gelernte Arbeit, besonders in
den Minen, dem weißen Arbeiter. Während der weiße Arbeiter 21/— (sh.)
pro Tag erhält, wird der eingeborene Bergmann, der alle Schwerarbeit verrichtet,
mit 2/— (sh.) pro Tag abgespeist. Augenblicklich liegen dem Lande
vier neue Eingeborenen-Anträge des Premierministers der Südafrikanischen
Union vor, in denen dieser das Parlament auffordert, die Neger
in der Kap-Provinz des Bürgerrechtes, das sie seit 1854 ohne jeglichen
Mißbrauch genossen haben, zu berauben. Er schlägt die Bildung eines
Generalrates von Negern vor, das ein Scheinparlament vorstellen wird.
Ferner zielt er darauf hin, zwischen Negern und Europäern einen Konkurrenzkampf
um den‘ Ankauf von Land hervorzurufen, das er eigens zu
diesem Zwecke freigeben will. Auch dies ist nur ein erneuter Versuch, dem
Neger den Weg zu versperren, sich nach den Bestimmungen des nationalen
Landgesetzes von 1913 von einem anderen Neger Boden zu erwerben. Wie
1924