Josiah Tshangana Gumede. 125
kann der mit Füßen getretene und oftmals enttäuschte Neger mit dem weißen
Manne, der für seine Arbeit hoch bezahlt wird, in Wettbewerb treten? Die
Neger werden fast aller Menschenrechte beraubt. Nach den Bestimmungen
des Eingeborenen-Land-Gesetzes, das über die Verteilung von Land entscheidet,
erhielten 11/2 Millionen Europäer 260 Millionen Morgen Land, während
51/, Millionen Eingeborenen nur 40 Millionen Morgen zugeteilt wurden.
Eine weitere Eingeborenen- Vorlage, das „Aufruhr-Gesetz‘“, ist in Vorbereitung,
das jeder Agitation der Neger-Organisationen ein Ende bereiten
will. Die Neger werden, ohne im Parlament vertreten zu sein, hoch besteuert.
Der Unterricht der Eingeborenen ist den Missionaren — neben einigen
unzureichenden Zugeständnissen der Regierung — anvertraut. Der Unterricht
der Europäer dagegen wird von der Regierung in die Hand genommen
und von gut bezahlten Lehrkräften geleitet.
Wenden wir uns nun der Landarbeit zu: Die Ansiedler (squatters), die
den europäischen Bauern entsprechen, erhalten kleine Stücke Landes zur Bebauung,
die sie mit ihrer Arbeitskraft bezahlen. Einige Farmer bezahlen die
Arbeit von erwachsenen Männern mit 20—30 sh. pro Monat, die von Frauen
mit 10 sh., Mädchen mit 5 sh. und Knaben mit ı5 sh. Gewisse Farmer
brauchen die Neger auf ihrer Farm überhaupt nicht zu entlohnen, sie haben
billigere Sklavenarbeit zur Verfügung als die der leibeigenen Sklaven, die
1834 emanzipiert wurden. Die Löhne in den Industriezentren betragen 2 sh.
pro Tag, in den Städten 2—4 sh. Es ist nur zu offenbar, daß die Neger Südafrikas
in Knechtschaft, Helotentum und wirtschaftlicher Versklavung leben.
Ich habe bereits die traurige Geschichte unserer Unterdrückung in Südafrika
durch den Imperialismus berichtet. Unser Land wurde uns durch ein
Annektions-System entrissen, das gleichbedeutend mit Konfiskation war.
Langalibalele büßte sein Land ein, weil er die jungen Männer seines Stammes
nicht dazu überreden konnte, der Regierung die Gewehre abzuliefern, die
sie an Stelle von Lohn von den Weißen, besonders den Diamant-Kompanien,
erhalten hatten. König Chetshway von den Zulus verwirkte sein
Königreich, weil die Kapitalisten und die imperialistische Regierung in
ihm eine Gefahr für die Kolonien der Weißen erblickten. Nachdem er
aber von dem mächtigen britischen Heere besiegt war, durfte er in sein Land
zurückkehren und erhielt die Versicherung, daß die Briten nicht die Absicht
hätten, Zululand zu annektieren, sondern daß es den Zulus bleiben würde.
Zu unserem Entsetzen und unserer Enttäuschung mußten wir jedoch erleben,
wie die fruchtbarsten Landstriche des Zululandes von der Regierung
als Farmen für Europäer abgetrennt wurden. Den Negern in dem Oranje-Freistaat
blieb nur ein kleines Stück Land im Harrysmith-Distrikt, das unter
dem Namen Witzeishoek bekannt ist. Auch die Eingeborenen-Gebiete, die
unter der Protektion der britischen Regierung stehen, schweben in Gefahr,
der Südafrikanischen Union ausgeliefert zu werden. Swaziland ist bereits