1) Der Freiheitskampf der Neger.
für uns alle heute ein Ansporn ist. Wir müssen deshalb der Organisierung
der Negermassen größere Aufmerksamkeit schenken; denn es ist möglich,
daß, wenn der Ausgang des Kampfes der unterdrückten Klassen gegen die
imperialistischen Ausbeuter in Frage steht, die verachteten Negervölker
wiederum das Kleinod der Freiheit für das „Geschlecht der Freiheit“ retten
werden.
Und jetzt lege ich Ihnen folgende Resolution zugunsten der unterdrückten
Negervölker der Welt zur Behandlung vor:
Gemeinsame Resolution über die Negerfrage.
Vorgeschlagen von der Negerdelegation.
Seit etwa 500 Jahren sind die Negervölker der ganzen Welt Opfer der grausamsten Unter-
drückung. Der Sklavenhandel und die Anfänge des Kapitalismus sowie die gleichzeitige
Expansionspolitik der europäischen Staaten haben eine terroristische Herrschaft über die
Schwarzen und eine Ausbeutung der Negervölker zur Folge gehabt, die in der Geschichte
der Menschheit ihresgleichen sucht. Als Resultat des Sklavenhandels verlor Afrika Millionen
seiner Bevölkerung. Vier Fünftel der verfolgten Opfer des Sklavenhandels starben bereits bei
der Gefangennahme durch bewaffnete Expeditionen oder auf dem Transport. Die Über-
lebenden wurden Sklaven in Amerika.
Die reichen Profite dieses gemeinen Handels haben die Macht des europäischen Handels-
kapitals und seiner Staaten begründet. Die Entwicklung der afrikanischen Völker wurde
gewaltsam unterbrochen, Ihre Zivilisation, die in verschiedenen Teilen des afrikanischen
Kontinents hoch entwickelt war, wurde zerstört. Dann wurden die Neger zu unzivilisierten
Wilden und einer niedrig stehenden Rasse erklärt, die durch den christlichen Gott zum
Sklaven des höher stehenden Europäers bestimmt sei. Es entstand ein feindliches und grau-
sames Vorurteil gegen die Negerrasse. Ein Vorurteil, das heute noch die Gefühle der
Europäer beherrscht, und zahlreiche herabwürdigende und schandbare Handlungen
zur Folge hatte und noch hat. Die Aufhebung der niedrigsten Formen der Sklaverei
hat die Negervölker nicht befreit von dem Zustand, in dem sie faktisch als persönliches
Eigentum, als dienende Rasse, als Ausbeutungsobjekt betrachtet werden, und in dem ihre
systematische Ausrottung ungehemmt weitergeht.
Diese Unterdrückung wurde durch die Gier der europäischen Mächte nach afrikanischen
Territorien, besonders zwischen 1880 und 1890, bedeutend verschärft.
Die Gier wurde durch das Bedürfnis des Finanzkapitals hervorgerufen, seine Reserven
in den Industrien und Rohmaterialien der Kolonien anzulegen, und eine Industrialisierung
einzuleiten, die sich seitdem auch stark entwickelt hat. Das Finanzkapital verband sich mit
dem Industriekapital zu Kolonialabenteuer. Die afrikanischen Staaten sind durch Überlistung
und offene Gewalt niedergerungen worden. Das Land und die Habe der Bevölkerung wurde
an europäische Handelsgesellschaften und Einzelpersonen verteilt. Die Bevölkerung wurde
durch die brutalsten und unmenschlichsten Produktionsmethoden gezwungen, ungeheure
Reichtümer für ihre Unterdrücker hervorzubringen.
Eine Folge dieser Unterdrückung waren auch jene Seuchen, die die Bevölkerung und
den Viehstand heimsuchten. — Welch ungeheure Ernte der Tod durch die Kolonisations-
tätigkeit der imperialistischen Mächte hielt, kann man daraus ersehen, daß das Afrika der
fruchtbaren und sich rasch vermehrenden Völker heute weniger bevölkert ist als alle anderen
Kontinente der Welt. Das ist der große Segen des Christentums und der Zivilisation, die
man den Afrikanern angedeihen ließ.
So kommt es, daß in dem Riesenkontinent von 30 Millionen qkm nur zwei kleine
Staaten, Abessinien und Liberia formell unabhängig sind. Der erste ist aber gegenwärtig
durch den anglo-italienischen Vertrag, der zweite durch die Überantwortung seines ge-
samten. Zoll- und Polizeiwesens an die Amerikaner bedroht. Diese Konzession wurde
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