Mohamed Hatta. 153
beträchtlich zu vermehren. Auch ihre Städte konnten die Holländer infolge
dieser gestohlenen Reichtümer ausdehnen.
Aber der durch die Energie der anderen erworbene Reichtum ist die
stärkste Ursache der Dekadenz und der Demoralisation. Die unbegrenzte Be-
gierde, die nach und nach bei den hohen wie bei den niederen Funktionären
allgemein wurde, war die Ursache der moralischen Korruption. Ihre eigenen
Funktionäre nagten wie Parasıten am Körper der „berühmten“ Kompagnie
und dieser Korruption hat die verbriefte Kompagnie ihr natürliches Ende
zu verdanken.
Als die Niederlande Erben der Ostindischen Kompagnie wurden, hielten
sie treu deren alte Tradition der Zwangskultur aufrecht. Das einzige Motiv,
das schwer in die Wage der Kolonialpolitik drückte, war, daß die Kolonie
im Dienste des Mutterlandes sein müsse.
Die Krise der holländischen Finanzen war die unmittelbare Ursache da-
von. Ein Zustrom von Millionen Gulden sollte von Indonesien kommen, um
den Wohlstand des Mutterlandes zu begünstigen. Und um denselben zu er-
werben, mußte die alte Zwangskultur fortgesetzt werden. Der König
Wilhelm I. hatte das Glück, in der Person des van den Bosch den Mann zu
finden, dessen er zur Ausführung dieser Aufgabe bedurfte. Derselbe reiste
im Jahre 1830 als Generalgouverneur nach Indonesien und führte dort das
berüchtigte System ein, dessen unbarmherzige Ausführung der indonesischen
Bevölkerung außerordentlich schädlich war: dasjenige der Zwangskulturen.
Die Regierung verfügte nicht nur über die Energie der eingeborenen Be-
völkerung für die Zucker-, Indigo- und Kaffeeplantagen, sondern beutete
sie auch dermaßen aus, daß sie physisch fast vollständig zugrunde ging.
Jahre hindurch wurden die Indonesier gezwungen, ohne Bezahlung für die
Regierung zu arbeiten. Sie hatten nicht einmal die notwendige Zeit für den
Anbau ihrer Reisfelder. Außerdem waren die erdrückenden Steuern, die sie
kaum bezahlen konnten. Die Beamten, die sich in der Ausbeutung der Be-
völkerung am geschicktesten zeigten, wurden mit Geld und guten Posi-
tionen belohnt.
Die Menschen, die unter solchen Umständen nicht mehr die freie Ver-
fügung über ihre Energie und die Früchte ihrer Arbeit hatten, befanden sıch
tatsächlich in einem Zustande von Sklaverei. 800 000 Familien, die zusam-
men eine Einheit von 4 Millionen Seelen darstellten, wurde für Anbauarbeiten
benutzt, so daß die Hälfte der Insel Java in eine Sklavenkolonie verwandelt
wurde.
Die unheilvollen Folgen dieses unmoralischen und unmenschlichen Re-
gimes wurden bald fühlbar. Einzig in der Nachbarschaft von Semerang
starben von Monat Oktober 1849 bis Monat März 1850 mehr als 100.000
Männer, Frauen und Kinder des Hungers. Sie hatten nicht mehr die
Möglichkeit, ihre Reisfelder zu bebauen. Während in diesem, durch die
44