Mohamed Hatta. 357
Widerstandes gegen die unerträgliche Autorität zu ersticken. Natürlich hat
in den ersten Etappen der sogenannten gesetzlichen Periode die Bevölkerung
keinerlei Recht, an der Verwaltung des Landes teilzunehmen und seine eigenen
Interessen selbst zu ordnen. Es war in Artikel III der Regierungsverordnung
sogar formell vorgeschrieben, daß alle Versammlungen politischer
Verbände verboten seien, und um so mehr noch die Beteiligung an der Regierung.
Diese Verfügung wurde bis 1915 aufrechterhalten. Ein holländischer
Professor hat behauptet, daß dieses Verbot von Versammlungen und
Verbänden sich auf die Idee stütze, daß eine Teilnahme des Volkes nicht
erwünscht sei, da einzig die Beamtenschaft über die Forderung von öffentlichem
Interesse zu urteilen habe.
Die Zensur ist eines der wichtigsten Mittel, um jeden Protest gegen die
Mißbräuche der Beamtenschaft zu ersticken, da man sehr wohl weiß, daß ein
Protest in der Presse die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung auf sich
ziehen würde, was dem holländischen Prestige in der Welt schaden könnte.
Die Justiz selbst ist in Indonesien nicht unparteiisch. Psychologisch versteht
man das sehr wohl, da über ein unterdrücktes Volk geurteilt werden muß, das
auch anderer Rasse, und mehr oder weniger dem Inhaber der Macht feindselig
gegenübersteht. Aus den Kolonialbeziehungen kann nichts anderes hervorgehen
als eine Rassenjustiz, die mehr der Gewalt als dem Recht dient. Wir
sind jedoch noch nicht an dem Ende unserer kurzen Aufzählung der Regierungswillkür
angelangt.
Wo die Justiz nicht eingreifen kann, macht sich die Macht der Autorität
geltend. Der Generalgouverneur besitzt sogenannte „Ausnahmerechte“, nach
welchen er jede Person, die er als für die öffentliche Ordnung gefährlich, in
unbewohnte Gegenden deportieren kann, selbst wenn sie keinerlei Vergehen
begangen haben, und deshalb kein Grund für den Richter besteht, sie zu verurteilen.
Man kann sich in einer organisierten Gesellschaft kaum eine größere
Willkür vorstellen.
Aber das getäuschte indonesische Volk, nachdem es gequält worden ist,
rafft sich wieder auf und begibt sich instinktiv auf den guten Weg. Es reklamiert
energisch seine Rechte! Trotz des Versammlungsverbots entstand
schon im Jahre 1908 eine nationale Bewegung. 1912 wurde die Idee eines
freien Vaterlandes von der damaligen Vereinigung „Insulinde‘ klar verkündet.
Seitdem ist der Wunsch nach einem unabhängigen Indonesien unsterblich
geworden. Künftig ist es unmöglich, das rasche Wachstum der
nationalen Bewegung aufzuhalten. Weder die Verhaftungen einiger Führer,
noch die Verbannung von drei eminenten Führern der Partei „Insulinde“,
die gegen die Feier der hundertjährigen Unabhängigkeit Hollands in dem
unterdrückten Indonesien protestierten, können die Fortschritte des Erwachens
brechen. Jede entstehende nationale Bewegung sucht in ihren Anfängen
mit den Herrschenden zusammen zu arbeiten, was auch bei der indo-19!