2a Der Freiheitskampf des indochinesischen Volkes.
Soziale Lage der Eingeborenen.
„Nachdem sie die fruchtbaren Ländereien gestohlen haben, erheben die Franzosen von
dem schlechten Boden einen hundertmal skandalöseren Zehnten, als der Feudalismus.“
Diese aufrichtige Sprache eines französischen Schriftstellers, Herrn Vign6 d’Octon, bringt
die Lage unserer Bauern richtig zum Ausdruck. Außer diesen schwer drückenden
Steuern haben die _annamitischen Bauern Tonkins noch Jährlich unter Über-
schwemmungskatastrophen zu leiden. Sieben Achtel des Budgets sind für den Unterhalt der
Beamten bestimmt. Zur Verwendung der Marineverwaltung des Mutterlandes: 32 000 000,
für den Geheimfonds: 33 000 000. Diese Summen haben eine Vermehrung von 135 000 Frs.
(seit 1926) durch den sozialistischen Gouverneur, A. Varenne, erfahren. Die notwen-
digsten öffentlichen Arbeiten werden vernachlässigt, woraus klar ersichtlich ist, daß
der französische Imperialismus für die Schäden der jährlichen Überschwemmungskatastrophen
verantwortlich ist. (Letzte Überschwemmung in Tonkin — September—Oktober—Novem-
ber — 760 Tote, 50 000 000 Frs. Schaden.)
Keinerlei Gesetz schützt die Arbeiter, und es ist eine bekannte Tatsache, daß man
Frauen, sowie Kinder beiderlei Geschlechts unter 12 Jahren in den Kohlenminen (Hongay,
Quang-Yen) und in den Kautschukmanufakturen (Saigon) verwendet.
Die Arbeiter, die Arbeiterinnen und ihre Kinder arbeiten 12 bis 13 Stunden täglich
bei Hungerlöhnen von 2 Frs. bis 2,50 Frs. Sie haben keine Koalitions- und Versamm-
lungsfreiheit und auch kein Streikrecht.
Die Verwaltung zwingt die Bevölkerung, Opium und Alkohol zu kaufen. Ein Rund-
schreiben von Albert Sarraut, dem damaligen Generalgouverneur von Indochina, beweist.
dies:
„Gemäß den Instruktionen des Generaldirektors der Regie bitte ich Sie, Ihrerseits die Be-
mühungen meines Dienstzweiges, neue Alkohol- und Opiumausgabestellen einzurichten, zu
unterstützen.
Ich erlaube mir, Ihnen zu diesem Zwecke eine Liste solcher Läden zuzustellen, die man
in den verschiedenen angegebenen Dörfern — die zum größten Teil noch frei von Alkohol
und Opium sind — einrichten könnte.
Ihr bestimmender Einfluß könnte sich durch die Vermittlung der Gouverneure von Kam-
bodscha und Mossok gut auf die kleinen, eingeborenen Händler geltend machen, denen man die
Vorteile erklärt, die ihnen durch eine solche Erweiterung ihres Handels erwachsen würden,
Unsererseits werden alle Agenten vom aktiven Dienst, die auf Rundreisen begriffen sind,
solche Stellen einzurichten versuchen, außer wenn Sie, Herr Resident, es vorziehen würden,
zuerst auf die Amtsstellen einzuwirken, damit sie unsere Aktion unterstützen. In diesem Falle
bitte ich Sie, mich davon in Kenntnis zu setzen.
Nur durch eine vollständige und unablässige Zusammenarbeit Ihrer Verwaltung und der
unseren werden wir zum größeren Nutzen des Finanzamtes ein besseres Resultat erreichen.“
gez. Albert Sarraut.
Die Zahl der Liter Alkohol, die Indo-China vor diesem gemeinen Zirkular (1915) zum
Verbrauch aufgedrängt wurden, belief sich schon auf 23 bis 24 Millionen Liter Jährlich.
Hier die Dividenden, die jährlich durch die Destillerie „Fontaine“, die das Monopol
der Alkoholherstellung besitzt, ausbezahlt wurden:
1914 40%; 1916 75%; 1917 100%; 1920 125%; 1923 1750; 1925 200%.
Herrn Octave Homberg gehören allein:
Banque de 1l’Indo-Chine,
Credit Foncier de 1’Indo-Chine,
St6 Financiere Francaise et Coloniale,
St6 des Caoutchoucs de 1l’Indo-Chine,
St6 „Francaise‘ des Distilleries,
St6 des Antracites du Tonkin,
St6 Nouvelle des Phosphates du Tonkin,
St6 Cotonniere de Saigon,
St6 Anonyme des Papeteries de l’Indo-Chine,
St6 des Eaux et Electricit& de l’Indo-Chine,
St6 Indo-Chinoise d’Electricit6,
Y4AL