Full text: Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

Kin Fa Lin. 151 
Anläßlich der Haager Konferenz von 1907 sandte der Kaiser von Korea 
seine Delegierten dorthin, um an die Mächte zu appellieren. Oh, welche 
Naivität, für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Koreas! 
Die Gesandten konnten keine Audienz erlangen, aber dieser Versuch 
wurde von den japanischen Behörden in Korea als genügend erachtet, um 
das eiserne Regiment zu verstärken. Ein Druck wurde ausgeübt, um den 
Kaiser zu bewegen, zugunsten seines schwachsinnigen Sohnes abzudanken. 
Zur gleichen Zeit wurde zwischen den Ministern des Kabinetts, die ihr Amt 
als Werkzeuge der japanischen Regierung ausübten, und dem Marquis Ito, 
dem damaligen Generalgouverneur von Korea, ein Vertrag unterzeichnet. Den 
Hauptpunkt des Vertrages bildet die Übertragung der ganzen Macht über 
die innere Verwaltung des Landes auf den japanischen Generalgouverneur, 
während es sich in dem Protektoratsvertrag nur um die Übertragung des 
Rechts der diplomatischen Vertretungen und der Regelung der äußeren An- 
gelegenheiten handelte. Hier der Text der beiden wichtigsten Artikel des 
Vertrags: 
Artikel II: Die koreanische Regierung verpflichtet sich, keinerlei Ge- 
setz, keine Ordonnanz und kein Reglement zu erlassen, noch irgendwelche 
wichtige administrative Maßnahme zu treffen, ohne die vorherige Zu- 
stimmung des Generalgouverneurs. 
Artikel IV: Die Ernennung und die Entlassung höherer koreanischer 
Beamten erfolgen mit Hilfe des Residenten. 
Sie ersehen daraus, wie charakteristisch und beleidigend sie sind. Hier- 
auf löste man die Nationalarmee Koreas auf und das ganze Volk erhob 
seine Proteste gegen dieses zynische Vorgehen durch Organisierung der 
berühmten „gerechten Armee‘“, deren heroische Überreste noch in allen 
Ecken des Landes zerstreut und versteckt existieren — bereit, bei jeder 
günstigen Gelegenheit mit den japanischen Truppen zu kämpfen. 
Es bleibt nunmehr nur noch eine verbrecherische Geste dieser langen, 
fortschreitenden Aggression Japans gegen Korea zu erwähnen übrig. Nach 
dem rächenden Anschlag eines jungen mutigen Koreaners, Au-Chung-Gun, 
im Jahre 1909, auf den verbrecherischen Anreger und Urheben der imperia- 
listischen Politik Japans in Korea, ich spreche von Marquis Ito, im Augen- 
blicke seiner durch unersättliche Begehrlichkeiten hervorgerufenen Intrigen 
mit den Agenten des Zaren in bezug auf die Mandschurei, beeilte sich 
Japan, das letzte feierliche Versprechen, das es anläßlich des Protektorats 
vor Korea und der ganzen Welt abgegeben hatte, zu brechen — das Ver- 
sprechen, daß das Protektorat eine mehr oder weniger zeitweise Maßnahme 
sei zur bessern Wahrung des Friedens im Osten und bis sich eine stärkere 
Regierung in Korea herausgebildet habe. Am 29. August 1910 wurde Korea 
annektiert und zur japanischen Provinz erklärt durch den Grafen Teranchi,
	        
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