Kin Fa Lin. 153
amte an, vom Generalgouverneur bis zum Arzt am staatlichen Kranken-
haus und bis zum Volksschullehrer. Daher kommt es, daß die friedliche
und rechtschaffene Gesinnung eines Volkes, das 42 Jahrhunderte einer
großen sittlichen Kultur hinter sich hat, tagtäglich durch unzählige kleine
Auftritte grausamer und kleinlicher Brutalität gereizt wird.
Japan hat in Korea mit einer Besatzung von zwei Divisionen angefangen,
die aber schon 1915/16 durch zwei weitere Divisionen verstärkt wurden.
Die Verstärkung war übrigens vollkommen überflüssig, denn es sind ge-
nügend Polizisten und Gendarmen anwesend, um jede revolutionäre Bewegung
gegen das bestehende Regime zu unterdrücken. Die offizielle Statistik von
1915 zeigt, daß 273 Hauptquartiere der Polizei und der Gendarmerie
existierten. Im Vergleich mit der Anzahl der Krankenhäuser und Schulen
ist diese Zahl außerordentlich hoch, weil von diesen nur ı4 resp. 386 von
der Regierung errichtet worden sind.
Die Politik der Unterdrückung der öffentlichen Meinung und der Presse
ist unglaublich scharf. Eine große japanische Zeitung schreibt darüber:
„Der Kreuzzug des Grafen Teranchi gegen die Presse war äußerst wirksam.
Er hat die mächtigsten Zeitungen vernichtet, und die schwachen gezwungen,
sich zu unterwerfen; er hat alle Ausdrucksmöglichkeiten der freien Meinung
verstopft und hat der äußern Welt nicht erlaubt, den wirklichen Zustand
von Korea kennenzulernen.‘ (Tokio, Asahi, Oktober 1916).
Die gerichtliche Verwaltung.
Japan hat erklärt, daß Korea nach den gleichen Gesetzen wie Japan
regiert werde. Leider existiert dieses Regieren nach Gesetz nur formell,
Nach dem gesetzlichen Grundsatz, daß ‚das spezielle Gesetz dem allge-
meinen Gesetz in der Anwendung vorangeht‘“, sind die sechs japanischen
Gesetzbücher absolut unwirksam, sobald die umfangreichen Bücher des
Spezialgesetzes in Anwendung kommen. Es muß in diesem Zusammenhang
auch erwähnt werden, daß diese allgemeinen und die speziellen Gesetzbücher
durch Japaner aufgestellt wurden, von einem Korea ganz fremden Volke,
das in Unkenntnis der Geschichte, der traditionellen Institutionen, der Ge-
bräuche und des Gefühls des koreanischen Volkes ist. Nehmen wir selbst
an, daß diese Gesetze Korea angepaßt sind, so ist deren Anwendung doch
eine willkürliche. Der berüchtigte Prozeß, der die „koreanische Ver-
schwörung‘‘ bezeichnet wird, zeigt an sich allein schon zur Genüge, wie ein
Koreaner durch das Gesetz beschützt wird. Unschuldige Bauern, junge
Studenten und Intellektuelle in großer Zahl wegen dieser Verschwörung
gegen Teranchi zu. verhaften, ist übertrieben. Kein vernünftiger Mensch
wollte den sich widersprechenden Meldungen Glauben schenken, daß man
Leute systematisch gefoltert habe, um von ihnen Geständnisse zu erpressen.
Leider haben sich diese Gerüchte als wahr herausgestellt. Die gefolterten